Predigtbruch

Predigtbruch

Transkript

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00:00:00: Mit Anfang zwanzig habe ich jahrelang die Welt gerettet, leider nicht diese hier.

00:00:05: Die Welt hieß Azzorot und sie gehörte zu World of Warcraft – das so ein Online-Rollenspiel voller mittelalterlicher Abenteuer & Kreaturen.

00:00:14: Um eine der großen Herausforderungen dazu bestehen, so einen Dungeon, da braucht man fünf Leute.

00:00:21: Vorne läuft der Tank, der Panzer schwergerüstet schild in der Hand optisch ungefähr im Reihenhaus mit Beinen.

00:00:30: Seine Aufgabe war es, die Gegner auf sich zu ziehen und möglichst lange nicht umzufallen.

00:00:36: Drei andere machten Schaden, schleuderten Feuerbälle und schwangen Äxte – und hinten stand der Heiler eher fragil oft in der Robe, die für den echten Kampf völlig ungeeignet gewesen wäre.

00:00:50: Er wirkte Zauber um Zaubern damit die Helden vorne weiter heldenhaft aussehen konnten.

00:00:56: Und wenn alles gut ging, war der Tank tapfer und die anderen hatten großartig gekämpft.

00:01:01: Wenn jemand starb dann war der Heiler schuld!

00:01:04: Und damit war ich mit Anfang zwanzig erstaunlich gut auf das Erwachsenenleben vorbereitet weil auch im richtigen Leben ja einige vorne stehen.

00:01:14: Man sieht sie und hört sie man kennt ihre Namen Sie halten Reden treffen Entscheidungen und stehen auf dem Foto.

00:01:21: und Dann gibt es die Anderen Die die genauso viel arbeiten wenn nicht mehr.

00:01:27: Die, die den Raum vorbereitet haben – die Kabel verlegen, Texte gegenlesen, Kinder abholen, dich an Termine erinnern und nachts noch einmal prüfen ob wirklich alles funktioniert.

00:01:39: Das sind so Leute deren Arbeit man oft erst bemerkt, wenn sie einmal nicht gemacht wird.

00:01:45: Wir nennen das gerne Unterstützung Manchmal klingt es aber eher nach Beiwerk.

00:01:51: Beiwerk ist eigentlich das, was ein Florist noch in den Strauß steckt damit die Rosen größer wirken.

00:01:57: Etwas Hübsches am Rand aber nicht zu hübsch.

00:02:00: Es rahmt die Hauptsache ohne selbst die Hauptzahre zu sein.

00:02:05: Man kann es notfalls weglassen und der Strauß bleibt ein Strauß.

00:02:09: Menschen sind aber kein Schleierkraut.

00:02:12: Es gibt unterstützende Rollen und Aufgaben im Hintergrund.

00:02:16: Es gibt Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen wollen und darin vollkommen glücklich sind.

00:02:21: Aber es gibt keine pauschale Kategorie unterstützende Menschen, als wäre das ihr ganzes Wesen.

00:02:28: Es gibt keine Nebenmenschen und niemand wurde geboren um die Kulisse für die Bedeutung eines anderen abzugeben Und trotzdem verteilen sich solche Rollen früh.

00:02:40: in manchen Fällen gibt es ein Kind dass so schön selbstständig ist und es klingt wie ein Kompliment.

00:02:47: manchmal bedeutet der Satz aber tatsächlich nur Um dich mussten wir uns zum Glück nicht auch noch kümmern.

00:02:54: Manche lernen sehr früh, dass sie geliebt werden wenn Sie wenig brauchen und viel leisten.

00:02:59: Und später sagen dann alle auf Dich kann man sich echt immer verlassen!

00:03:05: Und keiner merkt wie einsam das werden kann.

00:03:08: Aus einer Begabung wird eine Zuständigkeit... ...und irgendwann fühlt sich die Zuständigkeiten an wie die eigene Haut Dann ist man derjenige der immer zuhört oder diejenige die alles organisiert der Kollege, der jede Lücke stopft.

00:03:23: Und sobald dieser Mensch einmal nicht funktioniert reagieren alle irritiert aber jetzt nicht weil sie ihn vermissen sondern weil das System plötzlich merkt dass ein unsichtbares Ersatzteil fehlt.

00:03:37: wenn man sagt danke dass du immer alles trägst dann ist es eine sehr höfliche Art dafür zu sorgen dass jemand weiter alles trägt.

00:03:46: in der Kirche beherrschen wir diese Sprache hervorragend Gabbe!

00:03:53: Jemand kann gut mit Menschen, also soll er bitte doch noch den Besuchstienst übernehmen.

00:03:58: Jemand sagt selten nein und schon erkennen wir darin eine besondere Berufung zum Dienen.

00:04:04: Im Reich Gottes wird schließlich niemand ausgenutzt – dort wird man nur sehr geistlich überlastet.

00:04:11: Dabei kann unterstützen was total Wunderbares sein.

00:04:15: Nicht jeder Mensch möchte vorne stehen Und es ist nicht automatisch Angst oder Mangel der Ehrgeiz.

00:04:20: Es gibt Menschen, die anderen Raum geben können ohne selbst zu verschwinden.

00:04:26: Sie müssen nicht auf jedem Foto sein um zu wissen dass sie beteiligt waren.

00:04:30: Die haben Freude daran was möglich zu machen und das ist keine kleine Gabe!

00:04:35: Das ist eine Form innerer Größe und Freiheit.

00:04:39: aber von außen sieht Freiheit manchmal so aus wie Furcht.

00:04:42: Ich bin lieber im Hintergrund.

00:04:44: das kann heißen ich kenne meinen Platz und mag ihn.

00:04:48: Es kann aber auch heißen, da kann mich keiner Scheitern sehen.

00:04:53: Wer nie den ersten Ton spielt der kann den Einsatz nicht versammeln.

00:04:57: Wer immer nur die Ideen anderer verwirklicht er muss nie erleben dass die eigene Idee nicht trägt.

00:05:03: und wer sich unentbehrlich macht der muss vielleicht nicht rausfinden ob er auch geliebt würde wenn er einmal nichts nützt.

00:05:11: helfen ist nicht immer reine Selbstlosigkeit.

00:05:14: manchmal ist es auch ein sicheres Versteck.

00:05:17: Im Hintergrund entgeht man dem Urteil und behält trotzdem Einfluss.

00:05:21: Auch ein Heiler kann kontrollieren, er entscheidet schließlich wer weiterkämpfen kann und wenig.

00:05:27: Es macht die unterstützende Rolle nicht schlecht es macht sie menschlich.

00:05:32: Die entscheidende Frage ist deshalb nicht stehst du vorne oder hinten?

00:05:36: Die Frage ist bist Du da wo du stehst frei?

00:05:40: Darfst du deinen Platz wählen und ihn wieder verlassen?

00:05:44: darf zu sagen heute kann ich niemanden tragen Heute brauche ich selbst jemanden.

00:05:49: Eine Gemeinschaft wird nicht dadurch gesund, dass sie ihre weniger sichtbaren gelegentlich beklatscht.

00:05:56: Sie wird gesund wenn niemand auf seine Funktion reduziert wird.

00:06:00: Es gibt in der Bibel einen Mann den viele nur am Rand wahrnehmen obwohl ohne ihn ein erheblicher Teil des neuen Testaments wirklich anders aussehen würde.

00:06:09: Eigentlich heißt er Josef.

00:06:11: Die Aposteln nennen ihn Barnabas.

00:06:13: Das heisst Sohn des Trostes.

00:06:16: Als der frisch bekehrte Saulus nach Jerusalem kommt, glaubt ihm dort niemand.

00:06:21: Verständlich!

00:06:22: Der hat bis dato Christen verfolgt und behauptet jetzt selbst einer zu sein.

00:06:26: Die Gemeinde hält also Abstand.

00:06:29: Barnabas nicht.

00:06:31: Er nimmt Saulus mit, führt ihn zu den Aposteln und erklärt seine Geschichte.

00:06:36: Er leit ihm seine Glaubwürdigkeit als Saulus noch keine eigene besitzt.

00:06:42: Später reist Barnabass nach Tharsus Er sucht ihn und holt ihn nach Antiochia.

00:06:47: Und er öffnet ihm damit eine Tür, dann geschieht in der Apostelgeschichte was fast Zärtliches und zugleich schmerzhaft vertraut ist.

00:06:57: Zunächst heißt es immer Barnabas und Saulus, Barnabass steht vorne.

00:07:01: Eher ist der Bekannte der Angesehene – und wenig später dreht sich die Reihenfolge.

00:07:07: Paulus und Barnabbas.

00:07:09: Aus dem geförderten wird die prägende Gestalt.

00:07:12: Der Name des Mannes, der ihn ins Spiel gebracht hat, drückt nach hinten.

00:07:16: Barnabas ist trotzdem nicht das Beiwerk des Paulus.

00:07:21: Paulus es wenigstens zu einem Teil – das Werk des Barnabass!

00:07:25: Das ist die große Kunst des Ermutigers.

00:07:29: Er erkennt in einem Menschen etwas, dass noch nicht sichtbar ist und muss nicht selbst den Mittelpunkt dessen bleiben was daraus entsteht.

00:07:37: Barnabbas macht Paulus nicht klein um neben ihm großzuwirken.

00:07:42: Er kann zulassen, dass der andere wächst.

00:07:45: Als Paulus später jemanden nach dessen früherem Versagen nicht mehr mitnehmen will, widerspricht Barnabas und er streit wird so heftig das beide getrennte Wege gehen.

00:07:55: Unterstützen heißt bei Barnabass nicht.

00:07:57: ich sag zu allem ja was der große Mann entscheidet.

00:08:00: Der hat ein eigenes Urteil und er stellt sich vor jemanden den Paulus bereits abgeschrieben hat.

00:08:06: Ein Unterstützer ohne eigene Stimme ist kein Unterstützer!

00:08:30: Das ist mehr als ein freundlicher Dank an die Ehrenamtlichen, bevor man ihnen die nächste Liste mit Aufgaben reicht.

00:08:37: Es ist eine theologische Kampfansage die aus verschiedenen Funktionen verschiedene Menschenwerte macht.

00:08:44: Der Tank ist nicht wichtiger als der Heiler, er ist nur auffälliger angezogen.

00:08:50: Auch die erste Reihe ist eine Gabe.

00:08:52: Menschen sollen führen entscheiden sprechen Verantwortung übernehmen.

00:08:57: Das Evangelium macht Sichtbarkeit nicht verdächtig und Unsichtbarkeit Nicht automatisch heilig.

00:09:03: Es geht nicht darum alle von vorne nach hinten und alle von hinten nach vorne zu schicken.

00:09:08: Es geht darum, dass kein Platz zum Thron und keinen Platz zum Gefängnis wird.

00:09:14: Jesus hat selbst ein besonderes Auge für Menschen die andere nur als Störungen im Bild wahrnehmen.

00:09:20: Wenn einer am Wegesrand zum Schweigen gebracht werden soll bleibt Jesus stehen.

00:09:26: Was für die Menge eine Unterbrechung ist wird für ihn zum Gegenüber Niemand es Hintergrund rauschen.

00:09:33: Kein Mensch muss erst nützlich oder beeindruckend werden um angesehen zu werden.

00:09:38: Wer im Rampenlicht steht, sollte sich deshalb gelegentlich mal umdrehen.

00:09:42: Nicht für so eine gönnerhafte Danksagung sondern für ne ehrliche Frage auf wessen Schultern stehe ich hier gerade?

00:09:51: Wer hält mich am Leben während ich so aussehe als hätte ich alles im Griff?

00:09:54: und mit wem teile ich?

00:09:55: nicht nur den Dank sondern auch Einfluss und Raum?

00:09:59: Und wer seit Jahren unterstützt der darf sich auch mal fragen ist es noch meine Gabe oder längst meiner Angst?

00:10:07: bin ich gerne hier oder habe ich nur vergessen, dass sich mich bewegen darf.

00:10:12: Helfe ich aus Liebe?

00:10:14: Oder hoffe ich mir durch Nützlichkeit einen Platz zu

00:10:16: verdienen?".

00:10:18: In dem Videospiel konnte keine Gruppe eine Herausforderung bestehen wenn jeder Tank sein wollte.

00:10:26: Fünf schwer gerüstete Helden die sich um den Platz ganz vorne prügeln sieht beeindruckend aus und trotzdem sterben alle.

00:10:34: Eine Gemeinschaft lebt davon, dass Menschen unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

00:10:39: Aber sie lebt genauso davon, das sie einander nicht mit diesen Aufgaben verwechseln.

00:10:44: Du bist nicht deine Funktion!

00:10:47: Wer heilen kann muss nicht immer der Heiler sein und wer gut organisiert darf trotzdem einmal den Überblick verlieren.

00:10:54: Und auch wer jahrelang alles ausgehalten hat bleibt ein Mensch, der müde werden und Hilfe brauchen darf.

00:11:00: Ich glaube, das ist die befreiendste Botschaft für alle, die sich seit Jahren unauffällig um das Leben anderer herumlegen.

00:11:07: Du darfst tragen ohne zur Tragevorrichtung zu werden!

00:11:12: Du darf anderen die Bühne bereiten, ohne selbst Kulisse zu sein!

00:11:16: Du durftest im Hintergrund stehen aber du bist niemals nur Deko.

00:11:22: In Gottes Geschichte gibt es unterschiedliche Rollen.

00:11:26: Es gibt verschiedene Gaben und wechselnde Plätze Aber keinen einzigen Menschen der Blosschleierkraut ist.