00:00:00: Wenn ich durch schöne Wohngebiete fahre, dann werde ich langsamer.
00:00:04: Wenn du dich also regelmäßig über den schwarzen Golf aufregst der da so rumschneckt... Ich bin das!
00:00:30: Wer putzt die ganzen Fenster?
00:00:33: Und wie willst du dane Schrankwand stellen?
00:00:36: Das hat bestimmt viel zu wenig Steckdosen.
00:00:39: Kinder sind da anders, sie haben auch andere Probleme zum Beispiel Pfützen.
00:00:45: Sie können daran nicht vorbeigehen.
00:00:49: Ein Erwachsener sieht so eine Pfütze und denkt Nasse Schuhe Dreckige Hose Waschmaschine und hoffentlich spritzt das nicht aufs Auto.
00:00:58: ein Kind sieht ne Pfützer und denkt Fütze.
00:01:02: Cool!
00:01:03: Mehr braucht's nicht.
00:01:05: Keine Kosten nutzen Analyse, keine Gedanken an Waschmaschinen-Hinweise in Baumwollkleidung.
00:01:12: Da es Wasser auf dem Boden und offenbar wurde ist eigens dafür dorthin gestellt dass jemand mit beiden Füßen hineinspringt welchen Sinn sollte das denn sonst haben?
00:01:23: Erwachsene machen aus solchen Dingen irgendwann richtige Probleme.
00:01:27: Wir sind überhaupt ziemlich gut darin, Dinge kaputt zu verstehen.
00:01:31: Also ich... Ein Stock ist für ein Kind ein Schwert oder einen Zauberstab oder ein Gewehr was pädagogisch natürlich sofort einen Elternabend auslösen kann.
00:01:44: Zwei Stühle und eine Decke sind ne Höhle Und ein Karton is'n Raumschiff.
00:01:50: Erwachsene sehen einen Karton denken Altpapiers.
00:01:53: Donnerstag Ah!
00:01:54: Donnerdag war gestern super.
00:01:57: Das nennt man Entwicklung, zumindest in Büchern.
00:02:01: Und irgendwann geschieht was Merkwürdiges – wir hören auf zu spielen!
00:02:06: Man könnte fairerweise sagen nicht so vollständig….
00:02:10: Wir tarnen es aber besser….
00:02:12: Wir kaufen Fahrräder für mehrere Tausend Euro und nennen es Ausdauersport oder wir laufen durch den Wald und messen dabei den Puls, Höhenmetergeschwindigkeitsschritte.
00:02:26: Ob wir jetzt schon abgenommen haben?
00:02:28: Überhaupt ganz, ganz schlimmer Satz.
00:02:31: Mir fehlen noch tausend Schritte!
00:02:33: Wofür, Philipp, wofür fehlen dir noch Tausend
00:02:36: Schritte?!
00:02:37: Es hat noch nie jemand auf dem Sterbebett zu mir gesagt – ich wünschte, ich hätte noch tausehn Schritte gemacht.
00:02:44: Sogar Schlaf hat inzwischen eine Bewertung.
00:02:47: Du wachst morgens wunderbar ausgeschlafen auf, schaust auf die Uhr und erfährst dein Sleep-Score ist nur dreiundsechzig.
00:02:55: Schade… Oder noch besser.
00:02:57: Du fühlst dich furchtbar und deine Uhr sagt, nee, stimmt nicht, deine Tagesform ist optimal.
00:03:05: gut zu wissen!
00:03:07: Wir Erwachsene haben eine ganz bemerkenswerte Begabung entwickelt selbst Erholungen in den Leistungsdisziplin zu verwandeln.
00:03:15: Meditation soll produktiver machen Urlaub muss Quality Time sein.
00:03:20: Hobbys dienen dem Ausgleich Sport der Gesundheit Lesen der Bildung Freunde treffen der Pflege sozialer Kontakte.
00:03:28: Selbst nichts tun heißt inzwischen Self-care oder Achtsamkeit, damit es wenigstens so ein bisschen nach Arbeit klingt.
00:03:37: Etwas einfach nur zu tun weil's Spaß macht ist uns suspekt geworden.
00:03:42: dabei sagen wir doch immer schaue auf die Natur.
00:03:45: Verhaltensforscher beobachten bei meinem Lieblingstier dem Kohleraben seit Jahrzehnten Dinge die keinen unmittelbaren Zweck erkennen lassen.
00:03:57: Sie hängen Kopf über, spielen mit Gegenständen, sie jagen einanderlassen Dinge fallen und fangen sie wieder auf.
00:04:04: Das ist mir hoch sympathisch.
00:04:05: dabei bin ich gar nicht gerne draußen.
00:04:07: Die Raben fliegen einen schneebedeckten Hügel hoch Und dann kullern sie runter!
00:04:13: Sie fliegen wieder hoch und kulleren runter.
00:04:16: Das ist kein Paarungsritual und erhöht nicht ihren Jahresbonus.
00:04:21: Sie rutschen Weil Rutschen offenbar total gut ist.
00:04:25: Aber auch bei den Raben wird das Spielen mit dem Alter seltener.
00:04:29: Je älter, desto weniger Unsinn kennt man oder?
00:04:33: Bei Rabem ist es so eine Tendenz – ich habe den Eindruck bei uns, dass es ein Bildungsziel ist!
00:04:38: Wir bringen Kindern früh bei, dass für fast alles einen richtigen Zeitpunkt, einem richtigen Ort und eine richtige Art gibt… aber die ist nicht jetzt ….
00:04:48: gefühlt ist sie nie jetzt ... Es ist immer der falsche Ort gerade und zu laut.
00:04:54: Großes Kino übrigens auch, da bist du echt zu alt für jetzt.
00:04:58: Und irgendwann müssen wir all das gar nicht mehr sagen – dann wohnt diese Stimme in deinem Kopf praktisch oder?
00:05:05: Die erwachsenen Aufsicht wurde erfolgreich internalisiert.
00:05:09: Dabei zeigen Studien dass Spielen auch bei Erwachsenen wohlbefinden und positive Gefühle auslöst.
00:05:15: Aber nicht wenn wir auch da wieder hunderttausend Werte messen damit es effizient ist!
00:05:22: Wenn wir jetzt auch noch anfangen zu spielen, weil Studien zeigen dass dadurch unsere Resilienz um acht Komma drei Prozent steigt.
00:05:30: Dann haben wir es schon wieder kaputt gemacht.
00:05:32: dann rutschen wir den verschneiten Hügel runter und messen unten den Cortisol Spiegel.
00:05:37: der Rabe würde uns vermutlich auslachen Und dann wieder hoch fliegen.
00:05:42: Jesus hat das auch total deutlich gesagt hat nur wieder keiner zugehört.
00:05:47: Er hat gesagt wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder Dann werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
00:05:54: Da steht im Markus Evangelium, Jesus sagt das zu Erwachsenen.
00:05:58: Zu Menschen die gerade darüber diskutiert haben, wer von ihnen im Himmel Reich eigentlich der größte sei?
00:06:05: Das ist eine total witzige Szene!
00:06:06: Da stehen erwachsene Männer und führen eine geistliche Karrierebesprechung.
00:06:11: Wer ist hier
00:06:11: richtig?!
00:06:12: Wer hat welchen Rang und wer sitzt später im Himmel wo?
00:06:17: Und Jesus holt ein Kind und stellt es in die Mitte hinein.
00:06:20: Ich glaube nicht, dass er damit sagen wollte Kinder seien kleine moralische Leuchtfeuer.
00:06:25: Wer das glaubt hat noch nie zwei Kinder mit nur einem letzten Stück Kuchen in einem Raum gelassen.
00:06:31: Kinder sind nicht automatisch großzügig friedlich oder selbstlos.
00:06:37: Sie können einander wegen eines grünen Plastikbaggers in einen Konflikt treiben gegen den der dreißigjährige Krieg wie eine Meinungsverschiedenheit im Kirchenvorstand wirkt.
00:06:47: Darum geht es nicht.
00:06:49: Kinder können etwas, das Erwachsene verlernen.
00:06:52: Sie können sich komplett im Augenblick verlieren – in einem Spiel oder in der Pfütze!
00:06:59: Sie müssen nicht gleichzeitig daneben stehen und sich selbst dabei beobachten.
00:07:04: Ein Kind, dass spielt, fragt nicht alle drei Minuten ob es gerade sinnvoll ist?
00:07:09: Es ist einfach in diesem Moment.
00:07:12: Und genau das ist der Punkt.
00:07:14: Wir Erwachsen sind häufig überall nur nicht dort wo wir gerade sind.
00:07:20: Beim Frühstück denken wir an die Arbeit, bei der Arbeit ans Wochenende.
00:07:24: Am Wochenende daran was Montag alles wartet und im Urlaub beantworten wir Mails Wir hören beim Spazierengehen einen Podcast darüber wie man achtsamer spazieren geht Und wenn endlich einmal nichts passiert dann greifen wir nach dem Handy damit um Himmels willen schnell wieder etwas passiert.
00:07:43: Irgendwo in der Welt muss doch noch eine Katastrophe passiert sein.
00:07:47: Ich glaube wir haben Angst vor Leerlauf Vor fünf Minuten, in denen niemand was von uns braucht und wir selbst nichts aus uns machen müssen.
00:07:57: Dabei steckt im Spiel so eine Freiheit die dem Glauben total ähnlich ist.
00:08:02: Das Spiel sagt dieser Augenblick muss sich nicht rechtfertigen Er muss nix produzieren er muss nirgendwo hinführen er darf einfach sein das ist doch ein kleines Stück Himmelreich Und zwar nicht erst später und ohne zu erwähnen, dass da dann keiner mehr Schmerzen hat.
00:08:22: Das tun wir!
00:08:23: Es ist doch schon überall da wo ein Mensch für einen Moment aufhört seinen Wert zu berechnen Du bist da das reicht.
00:08:32: Deshalb sind Kinder in Kirchen manchmal so heilsam und gleichzeitig auch bisschen gefährlich.
00:08:38: Sie halten sich nicht an unsere Choreografie.
00:08:41: sie verlieren während eines Gebetes einen Gegenstand.
00:08:46: Sie müssen aus Klo, ganz dringend.
00:08:49: Kinder haben eine wunderbare Begabung uns daran zu erinnern dass ein Gottesdienst nicht dadurch heilig wird das alle sich benehmen.
00:08:58: Gott wird nicht nervös wenn jemand an der falschen Stelle kichert.
00:09:02: wir schon.
00:09:03: Das sagt vermutlich mehr über uns als über Gott.
00:09:07: Wenn Kinder unserer Abläufe stören unser geplantes Unterbrechen dann haben sie manchmal auch noch was für uns mitgebracht.
00:09:16: Sonder Erinnerungen An die Zeit, bevor wir für jede Freude einen Grund brauchten.
00:09:21: Bevor wir Dinge nur noch machten wenn wir sie konnten.
00:09:24: Befür wir beim Tanzen darüber nachdachten wie das wohl aussieht und wer das gut findet.
00:09:29: Diese Zeit als wir beim Singen noch nicht überprüft haben ob jemand zuhört oder ob es gerade klingt.
00:09:35: Befuhr aus Spielen.
00:09:37: Zeitverschwendung wurde.
00:09:40: Irgendwann haben wir gelernt dass Erwachsensein bedeutet die Pütze zu umgehen.
00:09:45: Saubere Schuhe, saubere Hose keine Umstände und natürlich kann man auch so durchs Leben kommen.
00:09:51: Trocken, ordentlich und vernünftig!
00:09:54: Man kommt auf der anderen Seite an nur steht dort möglicherweise ein Rabe Klatschnass völlig außer Atem und hat den besseren Weg gehabt.
00:10:05: Ich will das Kind sein nicht romantisieren.
00:10:07: Erwachsen werden ist auch gut.
00:10:09: Verantwortung ist gut.
00:10:11: Vernunft rettet leben Und manches sollte man tatsächlich nicht anfassen, heiße Erdplatten zum Beispiel.
00:10:18: Oder die Kommentarfunktion unter politischen Beiträgen im Internet.
00:10:22: Aber erwachsen sein muss doch nicht bedeuten dass wir alles zwecklose aus unserem Leben aussortieren Dass wir Freude nur noch erlauben wenn vorher die Arbeit erledigt ist.
00:10:33: Die schlechte Nachricht ist diese – die Arbeit ist nie erledigte.
00:10:38: Es gibt immer noch eine Mail Noch eine Rechnung noch einen Termin Noch was das Vernünftiger wäre.
00:10:45: Wer mit dem Leben aber wartet, bis alles erledigt ist, der wird irgendwann sehr ordentlich gestorben sein.
00:10:52: Deswegen gefällt mir das Bild mit den Raven so gut – ein verschneiter Hang, ein schwarzer Vogel!
00:10:59: Er könnte fliegen, das wär schneller, effizienter, vernünftigter.
00:11:04: Stattdessen wirft er sich in den Schnee, er rutscht nach unten steht auf, liegt wieder hoch und macht das Ganze nochmal Vollkommen zwecklos.
00:11:14: Gott sei Dank!
00:11:16: Vielleicht brauchen wir keine neue Lebensstrategie, keinen sieben Punkteplan.
00:11:20: für mehr Leichtigkeit bitte nicht.
00:11:23: Sonst machen wir aus der Fütze am Ende ein Seminar.
00:11:27: vielleicht reicht es hin und wieder etwas zu tun das ich nicht rechnen muss.
00:11:33: bestell doch den Nachtisch ohne auf die Kalorien zu schauen.
00:11:36: Geh barfuß durchs Gras und überleg nicht ob da Bienen sein könnten.
00:11:41: Mach mit den Kindern Quatsch, obwohl andere Erwachsene zugucken.
00:11:46: Sing ein Lied mit auch und gerade wenn du es nicht kannst!
00:11:49: Lach über schlechte Witze viel zu lang Und bei der nächsten Pfütze Denk wenigstens kurz drüber nach.
00:11:58: Jesus stellt einen Kind in die Mitte und die Erwachsenen außen herum.
00:12:03: Ich glaube mittlerweile das war kein niedliches Bild Das war eine Intervention.
00:12:08: Schaut hin Ihr habt etwas gelernt, das euch nützt.
00:12:12: Aber dabei habt ihr was verlernt, dass euch leben
00:12:15: lässt.".
00:12:17: Das Himmelreich gehört offenbar nicht nur den Vernünftigen – es gehört auch denen die noch wissen, daß so ein Stock manchmal ebenen Schwert ist.
00:12:25: Dass ein Karton einen Raumschiff sein kann und das Schnee nicht nur geräumt werden muss ….
00:12:30: Und dass eine Pfütze nicht immer ein Hindernis ist!
00:12:34: Manchmal ist sie einfach ne Einladung….
00:12:37: Du musst dann nicht reinspringen….
00:12:39: Wir sind schließlich erwachsen.
00:12:41: Aber falls du es doch tust, dann bitte mit beiden Füßen!