00:00:00: Ich mag Prinzessin.
00:00:02: Nicht alle, ich mein echte Prinzessinnen.
00:00:06: Krone, Kleid, Glitzer, dramatische Treppenaufgänge tanzen mit dem Biest eine Frisur die einen mittelschweren Verkehrsunfall überstehen würde und dieses wunderbare kulturelle Missverständnis das jemand der hübsch aussieht offenbar automatisch Hilfe beim Öffnen eines Marmeladenglases braucht.
00:00:28: Ich glaube tatsächlich, wir haben da so einen Denkfehler.
00:00:31: Wir verwechseln Erscheinung mit Fähigkeit und das tun wir ständig!
00:00:36: Wie sehen jemanden?
00:00:37: Und innerhalb weniger Sekunden hat unser Gehirn eine komplette Personalakte angelegt.
00:00:44: Zu jung zu alt zu unscheinbar Haare zu lang oder zu kurz auf jeden Fall zu blond.
00:00:52: ach das Prinzesschen und dann ist die Akte geschlossen.
00:00:57: Das Faszinierende daran ist, wir merken meistens gar nicht dass wir jemanden unterschätzt haben.
00:01:03: Denn Unterschätzung fühlt sich von innen nicht an wie Arroganz.
00:01:07: sie fühlt es sich an wie Menschenkenntnis.
00:01:10: Wir denken ja nicht ich bin gerade ein überheblicher Idiot und bildet mir einen Menschen innerhalb von acht Sekunden vollständig verstanden zu haben.
00:01:20: Wir denken Ich kann Menschen einfach total gut einschätzen.
00:01:24: das ist auch viel eleganter.
00:01:26: Das ist eher so Arroganz mit Berufserfahrung.
00:01:30: Mir hat Netflix neulich ein Film vorgeschlagen, basierend auf... weiß ich nicht.
00:01:35: Auf dem Titel war eine junge Frau Mit angebranntem Ballkleid und Schwert in der Hand.
00:01:40: Ist jetzt nicht was ich sonst so gucke Damsel hießt der Film Also Jungfer?
00:01:47: Die Geschichte beginnt sowie Geschichten mit Prinzessinnen eben beginnen.
00:01:52: Eine junge Frau Ein Prinz Eine Hochzeit Und man weiß ungefähr, was jetzt passiert.
00:01:58: Happy End!
00:01:59: Abspann!
00:02:00: Tauben!
00:02:02: Leider hat die königliche Familie einen bisschen anderen Ablaufplan.
00:02:06: Die frisch verheiratete Erlady wird von ihrem Prinzen auf ein Steg geführt über einem tiefen Abgrund.
00:02:13: Da wäre ich schon so bisschen skeptisch geworden.
00:02:16: Der Prinz lächelt sie an, erküsst sie und stößt sie hinab.
00:02:22: Sie soll einem Drachen geopfert werden was für sie insofern ungünstig ist, weil das vorher auch nicht so thematisiert wurde.
00:02:29: Man hat sie ausgesucht, angezogen, verheiratet und in eine Höhle geworfen.
00:02:35: Das Interessante daran ist aber alle haben bereits entschieden welche Rolle sie in der Geschichte spielt.
00:02:42: Sieht es als Opfer?
00:02:44: Die Damsil in distress, dass Mädchen in Not diejenige, die gerettet werden müsste bekommt keiner.
00:02:52: Und irgendwann stellt sich heraus Das ist für den Verlauf der Geschichte gar nicht so schlimm.
00:02:58: Denn Eladi hat nicht vor hier auf irgendwem zu warten, ich mag das und nicht weil ich glaube dass wir alle heimlich Drachen erschlagen können.
00:03:08: Ich scheitere gerne schon an Verpackungen auf denen hier öffnen steht.
00:03:12: Ich mag daran was anderes!
00:03:14: Alle anderen Figuren haben Eladi bereits fertig erzählt.
00:03:18: Sie wissen wer sie isst, sie wissen was ihr kann, sie wissen wie ihre Geschichte endet Und genau darin liegt der Fehler.
00:03:27: Sie haben das Prinzesschen unterschätzt.
00:03:30: Das ist eine merkwürdige Erfahrung, unterschätzen zu werden.
00:03:34: Es ist verletzend macht ja auch Sinn.
00:03:36: Da steht jemand vor dir und traut dir weniger zu als du kannst.
00:03:41: Manchmal traut er dir sogar weniger Menschsein zu als dir zusteht.
00:03:45: Und ich glaube viele von uns kennen genau dieses Gefühl.
00:03:49: Vielleicht weil Du in einem Raum die Jüngste bist oder Ältester Weil du keinen akademischen Titel hast oder weil du einen hast und deshalb natürlich nichts von Praxis verstehst.
00:04:01: Weil du freundlich bist, nicht der Typ, der bei einer Sitzung dreimal sagt Ich möchte an dieser Stelle nochmal ganz deutlich werden Vielleicht warst Du schon beim ersten Mal verständlich.
00:04:13: Manche Menschen hören einfach besser zu wenn etwas männlich laut- und mit Powerpoint vorgetragen wird.
00:04:20: Unterschätzung hat ganz viele Kostüme.
00:04:23: Manchmal klingt sie auch wie ein Kompliment.
00:04:25: Das hätte ich dir gar nicht zugetraut!
00:04:28: Äh, danke?
00:04:30: Was genau hast du mir denn zugetraut?
00:04:31: atmen?
00:04:32: Selbstständig die Schuhe binden und mein persönlicher Lieblingssatz Du hast dich so toll entwickelt echt Wow.
00:04:42: Und dann stehst du sprachlos da und denkst dir Hörst du dir zu wenn du redest.
00:04:47: Natürlich gibt's so einen Reflex es ihnen allen zu zeigen Und irgendwann seht ihr, was ich alles kann.
00:04:54: Und dann werdet ihr zugeben das ihr euch geirrt habt.
00:04:57: Lass es dir sagen – Das werden sie nie!
00:05:01: Ich kenne diesen Reflex und ja der kann Kraft freisetzen.
00:05:05: Wahrscheinlich wurden ganze Firmen aus reiner Wut gegründet.
00:05:09: Ich habe deswegen meine Doktorarbeit geschrieben.
00:05:12: Dieses Jetzt erst recht ist kein schlechter Treibstoff nur leider verbrennt er ziemlich dreckig.
00:05:20: Denn solange ich was tue, damit du endlich erkennst wer ich bin.
00:05:25: Bist immer noch du der Maßstab!
00:05:27: Ich hab dich zwar besiegt aber Du sitzt immer noch in der Jury.
00:05:31: Ich renne nur schneller Damit du am Ziel applaudieren musst.
00:05:35: Frei wird man davon Aber nicht.
00:05:38: Vielleicht beginnt Freiheit erst einen Schritt später?
00:05:42: Vielleicht beginn sie erst wenn du ehrlich sagen kannst Dann unterschätzt mich halt.
00:05:48: Das ist schwer.
00:05:49: Weil wir gesehen werden wollen Ist ja auch klar, wir wollen dass jemand erkennt was in uns steckt.
00:05:56: Dass unsere Mühe gesehen wird.
00:05:58: Unsere Stärke die Klugheit und Kompetenz.
00:06:02: Wir wollen nicht unser ganzes Leben mit einem Etikett rumlaufen das irgendein Mensch uns vor zwanzig Jahren aufgeklebt hat.
00:06:09: Aber vielleicht gibt es einen Unterschied zwischen dem Wunsch gesehen zu werden Und dem Gefühl.
00:06:15: Das muss so sein!
00:06:17: Das muss es nicht.
00:06:19: Es muss nicht jeder verstehen wer ich bin.
00:06:22: Vielleicht darf jemand mich falsch einschätzen oder mich für ein Prinzesschen halten.
00:06:28: Der Irrtum ist, dass ich deswegen die Krone abnehmen, die Ärmel hochkrempeln und beweisen muss, das sich selbstverständlich auch einen Reifen wechseln, einen Grill anzünden und irgendwo mit einem Akkuschrauber bedrohlich dämlich rumstehen kann.
00:06:44: Die Krone bleibt – oder geht?
00:06:46: Weil du das entscheidest!
00:06:48: Oder ich … Für
00:06:49: mich?!
00:06:50: Und genau das ist der Punkt.
00:06:52: Ich erzähl dir mal eine Geschichte von einem sehr unterschätzten Menschen, Samuel.
00:06:57: Als Samuel einen König für Israel suchen soll kommt er zu Isai und Isai führt seine Söhne vor.
00:07:05: Einen nach dem anderen beeindruckende Männer.
00:07:08: Samuel seht Eliab und denkt sofort der muss es sein!
00:07:12: Meine Herren Königsmaterial groß stark läuft bei ihm.
00:07:17: man sieht ihn und hört innerlich schon die nationale Hymne Aber Gott sagt, nein.
00:07:24: Dann kommt der Nächste.
00:07:25: Nein?
00:07:26: Und der nächste?
00:07:28: Nein!
00:07:29: Bis Samuel irgendwann fragt war das jetzt alle und Isai sagt sinngemäß also grundsätzlich es gibt ist dann noch David.
00:07:43: Der ist aber draußen bei den Schafen und ich liebe diese Szene.
00:07:47: der künftige König Israels.
00:07:50: Landet beim familiären Assessment-Center nicht auf Platz sieben.
00:07:54: Er wurde gar nicht eingeladen.
00:07:57: Niemand sagt, David ist leider knapp ausgeschieden und kein Foto.
00:08:02: David steht nicht mehr auf der Liste!
00:08:05: Wenn Isai seine Söhne anschaut und darüber nachdenkt welcher von ihnen König sein könnte kommt ihm David offenbar so sehr in den Sinn wie die Schafe, die er hütet.
00:08:16: Und irgendwas war da doch noch?
00:08:18: Ach ja Das Prinzesschen bei den Schafen.
00:08:22: Ausgerechnet über diesen David sagt Gott zu Samuel, der ist es!
00:08:38: Gott aber sieht das Herz.
00:08:52: Klingt das nicht romantisch?
00:08:54: Gott sieht dein Herz wie schön, Kalenderblatt Sonnenuntergang und Möwe.
00:08:59: Aber eigentlich ist der Satz eine sehr unangenehm akurate Diagnose unserer Menschenkenntnis.
00:09:05: Er bedeutet du siehst nur die Oberfläche Das Auftreten Lebenslauf Kleidung und Geschlecht.
00:09:13: Du siehst dass was vor Augen is Und dann bastelst du daraus einen ganzen menschen in deinem Kopf.
00:09:19: Gott nicht.
00:09:21: Das ist eine total schöne, aber auch erstaunliche Linie die sich durch die ganze Bibel zieht.
00:09:27: Gott hat eine ausgesprochene Schwäche für Leute bei denen andere sagen würden ernsthaft.
00:09:32: Mose soll reden und hat eigentlich einen harten Sprachfehler.
00:09:37: Jeremia ist zu jung.
00:09:38: Maria is ne junge Frau aus nem Kaff das niemanden interessiert Petruses Fischer und besitzt ungefähr die Impulskontrolle eines Labradors vor einem offenen Kühlschrank.
00:09:49: Und Jesus selbst ist jetzt auch nicht im Palast geboren.
00:09:53: Aufgewachsene Nazaret, keine bedeutende Familie, keine politische Macht.
00:09:59: Kein beeindruckender Lebenslauf!
00:10:01: Später fragen die Leute, äh... Ist das nicht der Sohn von dem Schreiner?
00:10:05: Ja, genau der.
00:10:07: Das ist vielleicht überhaupt Gottes Lieblingsmethode.
00:10:10: Nicht den Menschen zu schicken bei dem alle sofort sagen ja klar sehe ich sondern den, bei dem erst mal jemand die Augenbraue hochzieht.
00:10:21: Ihr wollt ein Retter?
00:10:22: Hier ist ein Baby!
00:10:24: Ah ihr wolltet
00:10:25: Macht?!
00:10:26: Hier ist Verletzlichkeit!
00:10:28: Ihr wolltet einen Thron?
00:10:29: Okay hier ist ne Krippe!
00:10:32: Hier is einer der seinen Feinden die Füße wäscht.
00:10:36: Gottes Personalentscheidungen würden vermutlich in keinem Assessment-Center dieser Welt die erste Runde überstehen oder eingeladen werden Und die Menschen unterschätzen Jesus ja auch bis zum Schluss.
00:10:49: Am Kreuz sieht sogar so aus, als hätten sie mit ihrer Einschätzung ja recht behalten – gescheitert, erledigt, fallgeschlossen, Akte ins Archiv und dann kommt Ostern!
00:11:03: Und der den Sie tot geglaubt haben lebt noch.
00:11:06: Du musst nicht jeden Menschen davon überzeugen wer du bist.
00:11:10: Du muss nicht jede Fehl-Einschätzung
00:11:12: korrigieren.".
00:11:13: Du musst nicht jedem, der dich klein macht ein Portfolio deiner Fähigkeiten schicken.
00:11:18: Und du musst vor allem nicht jeden Raum betreten in dem über deinen Wert abgestimmt wird.
00:11:25: Manche Jurys verdienen keinen Stuhl in deinem Leben – vielleicht unterschätzt ich jemand.
00:11:31: Jemand, der nur deine Freundlichkeit und nicht deine Grenzen sieht… Deine Krone und nicht das Schwert!
00:11:38: Ganz ehrlich dann lass ihn!
00:11:41: Manche Menschen werden dich nie richtig sehen Und nicht weil du es schlecht erklärt hast, sondern weil ihr Bild von dir für sie nützlicher ist als die Wirklichkeit.
00:11:52: Wenn Du der Schwierige bist dann müssen Sie sich selbst nie hinterfragen und wenn Du das Prinzesschen bist Dann dürfen Sie sich gerne Für den Drachen halten oder schlimmer für den Prinzen aber hör auf in fremden Köpfen Renovierungsarbeiten durchzuführen.
00:12:09: Das wahnsinnig anstrengend.
00:12:12: ich finde den Gedanken befreiend Weil es Menschen gibt, deren Meinung über mich ich früher unbedingt hätte ändern wollen.
00:12:20: Heute denke ich bei einigen verhalten sie wirklich.
00:12:24: Sie steht dir und trotzdem manchmal haben die anderen ja auch ein bisschen recht.
00:12:30: Manchmal sind wir tatsächlich nicht so großartig wie wir uns gern selbst erzählen Und auch Prinzessinnen können nerven fragt den Drachen.
00:12:39: Aber zwischen berechtigter Kritik und einer fremden Schublade liegt einen Unterschied.
00:12:45: Kritik kann mir etwas zeigen.
00:12:48: Eine Schublade will mich nur ordentlich wegsortieren und vielleicht ist genau deshalb der Satz von Gott an Samuel so wichtig, Der Mensch sieht was vor Augen ist.
00:13:00: Gott aber sieht das Herz an!
00:13:03: Er sagt, euer Blick is nicht das letzte Urteil Und eure Schublade is kein Schicksal.
00:13:10: Heißt nicht dass es nicht weh tut unterschätzt zu werden.
00:13:14: Natürlich tut es weh Besonders wenn es Menschen tun, von denen wir gerne gesehen worden wären.
00:13:20: Aber ihr Irrtum muss nicht zu unserer Lebensaufgabe werden.
00:13:26: Also trag die Krone!
00:13:28: Lass sie reden!
00:13:29: Hüte deine Schafe und mach dein Ding.
00:13:33: Und wenn irgendjemand erstaunt vor dir steht und sagt Das hätte ich dir gar nicht zugetraut Dann kannst du einfach lächeln sehr freundlich Sehr prinzessinnenhaft und sagen Ich weiß.