Predigtbruch

Predigtbruch

Transkript

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00:00:00: Ich gucke wahnsinnig gerne Suits.

00:00:02: Das ist so eine Anwaltserie, alle sind fantastisch angezogen Sie laufen durch traumhaft schöne Büros und dann kommt es immer zu großen Dramen Und sie werden laut und irgendwer hat ein juristisches Schlupfloch gefunden und gewinnt den Prozess.

00:00:19: ich gucke das Zuhause manchmal und dann Kommt mein Mann rein und sagt Was guckst du nur da?

00:00:26: Die schreien sich die ganze Zeit an Und ich antworte, ich weiß und dann haben sie recht wie großartig oder?

00:00:35: Ich habe total gerne Recht.

00:00:37: Leider!

00:00:38: Das hat nämlich manchmal einen viel zu hohen Preis.

00:00:42: Wenn du dir selbst schon so Fragen stellst Wie ist das denn genau rechtlich?

00:00:47: Oder dich selbst überzeugst mit Sätzen die so anfangen mit also sachlich gesehen und so weiter Und eigentlich ahnst Du schon dass die Empathie jetzt gleich höflich aus dem Raum begleitet wird.

00:00:59: Wenn ich ehrlich meine Kommunikation betrachte, wie ich rede und schreibe, dann sage ich sowas auch.

00:01:06: Sachlich gesehen habe ich recht.

00:01:08: Sachlig gesehen geht es hier ja aber um dies oder das!

00:01:12: Und am Ende sitzen Menschen da die sachlich korrekt verletzt wurden – auch von mir.

00:01:18: Herzlichen Glückwunsch!

00:01:19: Der Vorgang ist abgeschlossen und die Gefühle sitzen draußen auf der Bank.

00:01:25: Paulus kannte diese Begabung recht zu haben und trotzdem grandiose danebenzulegen.

00:01:30: In Korinth stritt die Gemeinde über Fleisch, und wir reden jetzt nicht über Haltungsform IV oder Kartoffelsalat mit und ohne Mayonnaise – es ging um Fleisch das mit heidnischen Opferritualen verbunden war.

00:01:44: Die einen sagten «Wir wissen doch, dass diese Götter nicht existieren».

00:01:48: Und so ein Stück Braten bekommt jetzt ja keine dämonische WLAN-Verbindung nur weil's vorher in einem Tempel lag!

00:01:55: Also, wir können das doch auch essen.

00:01:58: Theologisch hatten die recht – Paulus widerspricht ihnen in der Sache kaum!

00:02:03: Die Götzen sind tote Statuen und es Fleisch bleibt Fleisch.

00:02:07: Für andere war diese Welt aber nicht nur theoretisch und theologisch.

00:02:12: Sie haben in diesen Kulten gelebt jahrelang und sich mühsam davon gelöst.

00:02:18: Und wenn sie dann selbstbewusste Christen wieder im Tempel essen sahen?

00:02:22: Dann wurden die alten Ängste wach Angst, dass hier wieder was beginnt, das sie gerade erst verlassen hatten.

00:02:28: Und Paulus schreibt einen großartigen aber gerne vergessenen Satz Die Erkenntnis bläht auf Aber die Liebe baut auf.

00:02:38: Das ist eine ziemlich elegante Formulierung für Ja du hast recht und jetzt bitte noch mal mit Mitgefühl!

00:02:45: Das ist dieser Moment der Klarheit wo du hungrig einkaufen gegangen bist und kurz vor der Kasse merkst in deinem Wagen liegt hauptsächlich Bifi.

00:02:55: Musste halt noch mal von vorne anfangen, wenn du nicht die nächsten sieben Tage Pressfleisch Salami-Emitat essen möchtest.

00:03:03: Paulus sagt nicht eure Erkenntnis ist falsch!

00:03:05: Er sagt eure Erkennnis reicht halt nicht!

00:03:09: Wissen kann klären was möglich ist.

00:03:12: Liebe fragt was dem anderen Menschen dient.

00:03:15: Wissen kennt die Rechtslage.

00:03:18: Liebe sieht die Folgen.

00:03:20: Wissen kann eine Debatte gewinnen aber Liebe möchte den Menschen dabei nicht verliern.

00:03:25: Im Römerbrief wird Paulus noch direkter.

00:03:29: Wenn er bei deinem Bruder wegen deiner Speise betrübt wird, so handelst du nicht mehr nach Liebe.

00:03:36: Man kann vollkommen im Recht sein und trotzdem aufgehört haben nach der Liebe zu handeln.

00:03:42: Wir benutzen unser Rechthaben gerne als moralische Vollkaskoversicherung.

00:03:46: Paulus sagt Deine Freiheit entbindet dich nicht von den Folgen deiner Freiheit.

00:03:52: Empathie beginnt genau da.

00:03:55: Sie bedeutet nicht, dieselbe Erfahrung gemacht zu haben.

00:03:58: Sie ist auch keine telepathische Begabung mit der sensible Menschen schon beim Betreten eines Raumes sämtliche Kindheitswunden aller Anwesenden spüren.

00:04:09: Empathie heißt dein Gefühl ist wertvoll.

00:04:12: Alleine schon weil es dein Gefühl is'.

00:04:16: Das braucht kein Quellenverzeichnis!

00:04:18: Brene Brown ist eine Theologin und beschreibt Empathie als die Fähigkeit, die Perspektive eines anderen einzunehmen.

00:04:26: Das Urteil auszusetzen und zu zeigen – ich habe verstanden was du fühlst!

00:04:32: In Wahrheit ist es Hochleistungssport für die Seele, während der andere noch redet schreibt unser Gehirn bereits die Verteidigungsrede.

00:04:41: Ja so war das aber nicht gemeint.

00:04:43: Nee Du hast es falsch verstanden Und wir hören nicht mehr zu.

00:04:47: Wir warten auf eine Lücke, in die wir unsere Unschuld schieben können.

00:04:51: Und dann sagen wir – ich habe das so nicht gemeint!

00:04:54: Aber es ist nur eine Information über die Absicht.

00:04:57: Es ist keine Informationen über die Wirkung.

00:05:00: Wer einem anderen auf den Fuß tritt kann völlig glaubwürdig versichern dass er das nicht geplant hat.

00:05:06: Der Fuß wird aber da nicht denken – ah so, nie.

00:05:10: dann schalte ich dir Schmerzreiz wieder aus.

00:05:15: die gern auftauchen, sobald ein Mensch leidet.

00:05:18: Der Verkleinerer?

00:05:20: Der Lehrer und der Problemlöser.

00:05:23: Der verkleinere sagt – so schlimm ist es doch nicht!

00:05:27: Der Lehrer erklärt die Lektion dahinter.

00:05:30: Und der Problemloser möchte den Schmerz bis Sonnastag in einen Maßnahmenplan überführen.

00:05:36: Alle meinen es gut.

00:05:38: Nur setzt sich keiner von denen hin und hört einfach erst mal zu ohne was zu tun oder in den Angriff zu nehmen.

00:05:47: Manche Wunde braucht zuerst keine Lösung, sondern einen Zeugen.

00:05:53: Einen Menschen der nicht sofort erklärt oder repariert.

00:05:56: Einer, der sagt ich sehe was das mit dir gemacht hat und ich laufe nicht weg nur weil ich es nicht beheben kann.

00:06:03: Paulus beschreibt die Gemeinde als Leib Christi.

00:06:06: Das übersetzt sich nicht so leicht uns heute.

00:06:09: Ich glaube er meint Sie ist kein religiöser Betrieb mit Organigrammen und einer hoffentlich belastbaren Urlaubs-Vertretungsregelung.

00:06:18: Ein Leib Wenn ein Glied leidet, sagt er.

00:06:21: so Leiden alle Glieder mit Und Empathie ist das Nervensystem dieses Leibes.

00:06:28: Schmerz ist im Körper keine lästige Unterbrechung des Betriebsablaufs.

00:06:32: Schmerze ist doch eine Nachricht.

00:06:34: Der sagt Stopp!

00:06:36: Schau hin Hier wird was verletzt.

00:06:39: Ein Körper, der keinen Schmerz mehr wahrnimmt ist nicht extra robust.

00:06:44: Der ist gefährlich krank weil er weiterläuft während seine Wunden größer werden.

00:06:49: Schmerzen lassen sich betäuben.

00:06:52: Bei einer OP ist es eine großartige Erfindung aber als Dauerzustand ist das eine Katastrophe.

00:06:58: Auch Gemeinden können sich beträumen mit Aktivität, schönen Veranstaltungen dem nächsten Projekt und dem Hinweis jetzt sei keine Zeit für Befindlichkeiten.

00:07:10: Der Laden läuft irgendwie.

00:07:12: In einer Firma kann eine Abteilung Glänzen der Erfolge liefern, während in der anderen Menschen ausbrennen – in einer Gemeinschaft lässt sich Schmerz aber nicht auslagern!

00:07:23: Der kleine C kann ich sagen also der Rücken ist ne andere Kostenstelle.

00:07:28: Was einen von uns trifft verändert den ganzen Körper.

00:07:32: heißt das jedes verletzte Gefühl bekommt ein Veto recht?

00:07:36: Nein Empathie ist keine kirchliche Luftpolsterfolie, in die wir jede Entscheidung einwickeln bis niemand mehr eine Kante spürt.

00:07:46: Veränderungen tun weh – das merken gerade viele.

00:07:50: Grenzen können verletzen und Menschen können ihre Kränkung auch benutzen um andere unter Druck zu setzen.

00:07:57: Aber Paulus meint was anderes.

00:08:00: Er meint der Schmerz eines Menschen muss nicht immer das letzte Wort haben.

00:08:06: Er darf in einer christlichen Gemeinschaft und auch sonst in der Welt niemals bedeutungslos sein.

00:08:11: Wir können nach dem Zuhören immer noch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, nur werden wir dann anders entscheiden – langsamer!

00:08:21: Vielleicht transparenter und hoffentlich vorsichtiger.

00:08:25: Aber vor allen Dingen lassen wir niemanden mit den Folgen unserer Entscheidungen allein.

00:08:31: Ich sage bewusst wie er weil ich bei sowas auch gern bis zum Schlüsselbein mit drin hänge.

00:08:36: Wenn ich eine Lösung am Horizont sehe, werde ich schnell und es fällt mir unendlich schwer mich dann zu bremsen.

00:08:43: Ich presche dann vor weil ich denke dafür haben wir keine Zeit aber ehrlicher wäre, dafür habe ich keine Geduld Und ein gutes Ziel scheint plötzlich jeden Weg zu heiligen.

00:08:56: Ich bin so in meiner tiefsten Tiefe!

00:09:00: Ich bin gerne schnell, ich bin gerne effizient und ich bin elendig ungeduldig Und nicht alles kann man mit Scham und einem Lächeln dann wieder glätten.

00:09:11: Empathie verlangt mehr als Freundlichkeit, der andere Mensch muss in meiner Entscheidung wirklich vorkommen – nicht als Fußnote, Stimpfi oder Kommunikationsproblem das man hinterher mit einer netten Mail löst.

00:09:25: Das ist die Aufgabe!

00:09:27: Das is dein Job!

00:09:28: Alles das zu sehen Die Geschichte des anderen Seine Angst und seine Grenze auch wenn sie den eigenen Plan komplizierter machen.

00:09:38: Ich sag's euch ehrlich, das anstrengendste an den letzten anderthalb Jahren für mich war nicht die Arbeit ohne Kollegen.

00:09:47: aber wer mich getroffen hat, hat es gemerkt mehr Ticks, mehr Husten kurze Lunte.

00:09:53: Das war mein Versuch irgendwie alle zusammen zu halten wie Tauer und Kleber Und dann brüllt der und dann weint dort jemand uns der ist verletzt usw.

00:10:04: Und dann knallen irgendwann die Tauer unter der Spannung.

00:10:08: Achtet aufeinander, weil es kein anderer für euch tun kann!

00:10:13: Paulus erinnert immer daran dass da Menschen vor dir stehen in deinen Konflikten In dem was dich ärgert und dem was Dich wahnsinnig macht.

00:10:22: Die sind kein Hindernis, kein schwieriger Charakter Kein besonders empfindliches Vereinsmitglied.

00:10:28: Vor Dir steht ein Mensch dessen Wert Gott mit seinem eigenen Leben beantwortet hat Und das ist die Bewegung unseres Glaubens.

00:10:36: Gott rettet die Welt nicht durch ein Rundschreiben aus dem Himmel, er schickt keine Handreichung zum Umgang mit Leid.

00:10:43: Er kommt!

00:10:45: Er lebt mit uns, er weint und er lässt sich verwunden.

00:10:49: Am Auferstandenen sind die Wunden noch sichtbar.

00:10:53: Gottes Heilung tut nicht so als sei nie was geschehen.

00:10:56: Wir befinden uns nicht in einer heilen Welt.

00:11:00: Egal wo du gerade stehst oder sitzt oder tätig bist wo Menschen einander was bedeuten gibt's Reibungen, Konflikte.

00:11:09: Wir sind immer Teil eines lebendigen Leibs als Menschen vernetzt und wir werden uns verändern – und wir wird auch andere verändern!

00:11:19: Wer wirklich aufbrechen will der kann das nie mit dem Satz beginnen es geht jetzt weiter wie vorher oder wie ich das will.

00:11:26: Es beginnt immer mit einer neuen Aufmerksamkeit.

00:11:30: Was macht meine Art voran zu gehen mit den Menschen neben mir?

00:11:34: Wer schöpft unter Deck schon Wasser während oben die Kapelle spielt?

00:11:39: Wer trägt den Preis dafür, dass der Betrieb so erfreulich reibungslos wirkt.

00:11:44: Und was würde jetzt heilen und gut tun?

00:11:46: Wir müssen nicht in allem einer Meinung sein!

00:11:49: Eine Gemeinschaft ohne Meinungsverschiedenheiten ist entweder sehr klein, sehr verängstigt oder so ein WhatsApp-Kanal, in dem längst alle auf Sturm geschaltet haben.

00:12:00: Frieden is mehr als Ruhe.

00:12:02: Frieden entsteht, wenn wir einander auch im Widerspruch nicht aus dem Herzen lassen.

00:12:07: Darum wünsche ich dir und mir keine schmerzfreie Gemeinschaft!

00:12:12: Ich wünsch uns eine empfindsame – eine deren Nervensystem noch funktioniert.

00:12:18: Eine in der Freiheit nicht daran erkannt wird dass jeder alles tun kann was er will sondern daran das wir auf etwas verzichten können weil uns ein anderer Mensch wichtiger ist als unser Recht muss sich auch lernen.

00:12:32: Und dann würde ich gerne gemeinsam aufbrechen.

00:12:35: Nicht weil alle Wunden verschwunden sind, auch nicht weil plötzlich jeder Konflikt gelöst ist Aber wir ziehen alle an einem Strang, weil niemand mehr alleine unter Druck steht Weil wir wieder hören wenn einer sagt das tut weh!

00:12:50: Weil wir den Mut haben zu fragen was hat mein Handeln mit dir gemacht?

00:12:55: Vielleicht dass eine der christlichsten Sätze in der Gemeinschaft sagen kann Ich will nicht nur wissen wohin wir gehen Ich will wissen, wie es dir auf dem Weg ergeht und dann gerne auf zu neuen Ufern.

00:13:09: Aber diesmal gemeinsam!