Predigtbruch

Predigtbruch

Transkript

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00:00:00: Ich habe somit dreizehn angefangen Fantasy Romane zu lesen.

00:00:04: Erst leichte Kost, Wolfgang Holbein.

00:00:07: Literatur für Teenager wo alle Erwachsenen Unrecht haben und eigentlich nur die Jugendlichen wirklich durchblicken fand ich super sah ich ja genauso.

00:00:17: später wurden die Bücher immer dicker.

00:00:20: meine Mutter rief zum Essen und ich sagte Ja und las weiter.

00:00:25: vielleicht war ich deshalb damals auch so dünn wer weiß.

00:00:29: Später entdeckte ich Fantasiserien.

00:00:31: Buffy, Charmed – das Schwert der Wahrheit.

00:00:35: Wichtigstes Kriterium?

00:00:37: Nicht eine gemahlte Karte im Deckel.

00:00:40: Und nein!

00:00:40: Mir war auch egal wie komplex die Charaktere entwickelt worden waren.

00:00:45: Ich wollte dass Sachen explodieren Dass irgendwer die Hände hebt Blitze schleudert und sich in einem Portal davon teleportiert.

00:00:53: Irgendwann kamen die Filme über den Herrn der Ringe Hast Du bestimmt gesehen.

00:00:58: Ich war im Kino, in jedem Einzelnen.

00:01:01: Ich ging hin hoffte das Beste, also Explosionen und kam jedes Mal raus und war stinksauer.

00:01:08: Nach dem gefühlt hunderten Bildschnitt wo ein Org einen Pfeil ins Auge kriegt habe ich immer noch drauf gewartet dass jemand jetzt mal richtig zaubert!

00:01:18: Also so Feuersäule Telekinese sowas.

00:01:22: Dann erklärte mir ein Freund, der eine ungesunde Bewunderung für die Romane hat.

00:01:26: Das Magie hier komplexer sei in der Tiefe der Weltwirke und so weiter.

00:01:32: Etzent!

00:01:33: Also für mich?

00:01:35: Ich hab dann verstanden dass ich vielleicht eher die X-Men gucken sollte.

00:01:39: Irgendwas wurde Held nicht eins zwanzig großes und primär mit Laufen beschäftigt.

00:01:44: Vor ein paar Tagen bin ich dann über einen Satz von Ehime Ora gestolpert So'n Satz bei dem man kurz aufhört zu scrollen obwohl der Daumen längst im Autopilot ist.

00:01:54: Sinngemäß sagte sie, hol den tiefen Schmerz aus dir heraus und gib ihm einen Ort zum Leben, der nicht dein Körper ist.

00:02:05: Lass ihn in einem Bild leben – in einem Text!

00:02:07: In Musik!

00:02:08: Dein Körper ist kein Sarg, in dem Schmerzen begraben werden soll.

00:02:13: Bring' ihn woanders hin.

00:02:15: Dein Körper ist kein Sark.

00:02:17: Krass!".

00:02:17: Das ist ein brutaler Satz eigentlich, weil er sofort diese Frage stellt.

00:02:22: Wo ist denn der Schmerz den ich seit Jahren so ordentlich weggeräumt habe?

00:02:27: Offenbar nicht weg – nur ordentlich beschriftet!

00:02:30: Er liegt irgendwo hinter dem Bostbein, sitzt im Nacken oder meldet sich nachts wenn der Rest des Hauses endlich still ist.

00:02:37: Schmerzt es einen erstaunlich hartnickiger Untermieter.

00:02:41: Er zahlt keine Miete, hält sich an keiner Hausordnung und beschwert sich trotzdem, wenn man ihn

00:02:46: ignoriert.".

00:02:48: Wir nennen das gerne funktionieren.

00:02:50: Man steht auf, beantwortet Mails kauft Milch und Weiß sogar noch in welche Tonne der Joghurtdeckel gehört.

00:02:56: Von außen läuft er Betrieb Innen führt der Körper die Akte weiter.

00:03:01: Er bewahrt auch wofür im Kalender nie Zeit war.

00:03:05: Das ist keine Schwäche.

00:03:07: Es ist nur ein ziemlich teures Archiv Weil irgendwann ist jeder Schrank voll.

00:03:11: Auch wenn man sich beim Hineinstopfen größte Mühe gegeben hat Hab ich gehört Und dann musste ich wieder an Frodo denken.

00:03:20: Ausgerechnet Frodo!

00:03:22: In einer Welt voller Könige, Elben und Zauberer bekommt der kleinste Mitarbeiter den gefährlichsten Auftrag ohne Rüstung, ohne Superkraft – und meistens sogar ohne Schuhe.

00:03:33: Hobbits halten Schuhen irgendwie für nicht so essentiell.

00:03:37: Frodo soll ihn einen Ring nach Mordor tragen.

00:03:40: Dieser Ring steckt nicht sicher in einer gepolsterten Tasche erhängt an eine Kette um Frodos Hals Direkt über seinem Herzen.

00:03:49: Ein winziger Gegenstand, kaum größer als ein Ehring und trotzdem wird jeder Schritt schwerer.

00:03:55: Von außen sieht die Last lächerlich klein aus aber von innen fests sie sich langsam durch ihn hindurch.

00:04:02: Der Ring ist nicht einfach Schmuck mit schlechter Energie.

00:04:06: In ihm steckt alter Hass Machtgier Gewalt, die lange Vorfröde begonnen hat.

00:04:12: Er trägt also etwas das er nicht geschaffen hat.

00:04:16: Er hat diese Geschichte nicht bestellt, und trotzdem hängt sie jetzt an seinem Körper.

00:04:22: So geht es Menschen mit Schmerz!

00:04:24: Wir tragen Dinge deren Urheber wir nicht sind – einen Satz den jemand vor zwanzig Jahren gesagt hat und längst vergessen haben dürfte, eine Schuld die uns nie gehört hat, einer Angst die schon durch die Familie wanderte bevor wir überhaupt sprechen konnten….

00:04:41: das alles ist unsichtbar... Und trotzdem hinkt es da … an der Kette über dem Herzen.

00:04:47: Im Rat von Elrond, also bei den Elfen versucht Gimli der Bertige Zwerg das Problem auf die angenehm männliche Art zu lösen.

00:04:56: Axt-Raufthema erledigt Die Axt zerbricht Der Ring nicht.

00:05:01: Ehrlich gesagt ist es eine ziemlich genaue Darstellung vieler unserer Bewältigungsstrategien.

00:05:07: Wir hauen nochmal fester auf was ein dass sich mit Gewalt nicht lösen lässt und dann wundern wir uns warum nur unsere Axt kaputt ist.

00:05:16: Der Ring kann nur da zerstört werden, wo er geschmiedet wurde.

00:05:20: Frodo muss ihn zurück an seinen Ursprung tragen durch Mordor.

00:05:25: Das ist jetzt kein Wellness Retreat mit Klangschale und Gurkenwasser.

00:05:28: Mordors verbrannte Erde Da wächst nichts!

00:05:32: Da tröstet nichts Und dann jeder Ecke steht jemand der einen gern fressen würde.

00:05:37: Ich möchte an dieser Stelle nochmal auf die Notwendigkeit von Schuwerk zurückkommen.

00:05:43: Also Frodo weiß jetzt, wo das Ding herkam und wo es wieder hin muss.

00:05:48: Manche Schmerzen brauchen genau das – eine Adresse!

00:05:52: Nicht mal wäre real zu jedem Ort zurückkehren müssen an dem uns etwas geschehen ist.

00:05:57: aber irgendwann braucht das namenlose eben einen Namen.

00:06:01: Rote Nadel indikate?

00:06:03: Da hat's angefangen.

00:06:04: Daher kommt dieser Angst.

00:06:06: Dieser Satz gehört zu jener Geschichte Und diese Geschichte gehört zu mir Aber sie is nicht alles was ich bin Und trotzdem muss sie getragen werden.

00:06:16: Heilung heißt nicht immer, dass sich nichts mehr tragen muss.

00:06:20: Manchmal heisst Heilung zuerst das mein Schmerz eine Richtung bekommt.

00:06:24: Frodo geht los und je näher er Mordor kommt desto schwerer wird der Ring.

00:06:31: Sam sein Freund kann ihm die Last nicht einfach abnehmen.

00:06:34: Es gibt Dinge die kann niemand stellvertretend für uns fühlen.

00:06:39: Aber Sam lässt Frodo auch nicht allein darunter zusammenbrechen.

00:06:43: Und als Frodo nicht mehr gehen kann, trägt Sam eben Frodo.

00:06:49: Das es Liebe ohne Größen waren.

00:06:51: Sam sagt nicht, gib her!

00:06:53: Ich löse jetzt deine komplette Innenwelt bis Dienstag?

00:06:57: Er weiß dass er den Ring nicht für Frodo vernichten kann aber er kann dafür sorgen das sein Freund den nächsten Metern nicht alleine schaffen muss.

00:07:06: und dann kommt die bittere Ponte der Geschichte.

00:07:09: Frodo erreicht den Schicksalsberg – er steht am Feuer.

00:07:13: Der ganze Weg liegt hinter ihm, jetzt müsste er nur noch den Ring loslassen.

00:07:20: Und er kann es nicht!

00:07:21: Im entscheidenden Augenblick nimmt Frodo den Ring für sich.

00:07:26: Nach all dem Mut der Treue und dem Leiden scheitert er am letzten Schritt.

00:07:32: Tolkien schreibt keine Geschichte über einen Helden, der sich mit genügend Willenskraft selbst erlöst.

00:07:39: Frodo kommt so weit wie ein Mensch kommen kann – und dann reicht das trotzdem

00:07:43: nicht.".

00:07:45: Der Ring wird durch Gollum zerstört, durch genau das jämmerliche Wesen des Frodo vorher nicht töten ließ.

00:07:53: Eine alte Entscheidung zur Barmherzigkeit kehrt an den Ort zurück, an dem seine Kraft endet – das Gnade!

00:08:02: Am Ende rettet ihn auch etwas Gutes dessen Bedeutung er damals noch gar nicht kennen konnte.

00:08:09: Frodo kehrts später in seiner Heimat zurück ins Auenland aber er wird nicht einfach wieder der Alte.

00:08:16: Manche Wunden schließen sich und tun trotzdem weiter weh.

00:08:20: Er setzt sich hin, und schreibt die ganze Geschichte auf.

00:08:24: Das finde ich fast noch berührender als den Schicksalsberg.

00:08:28: Der Schmerz bekommt einen neuen Ort.

00:08:31: Er lebt jetzt auch in einem Buch Nicht mehr nur ein Frodo's Körper.

00:08:36: Das Schreiben macht nicht alles gesund.

00:08:39: Frodo muss Mittelerde schließlich verlassen.

00:08:42: Kunst ist keine hübsch dekorierte Notaufnahme, in der jedes Trauma nach drei Gedichten entlassen wird.

00:08:49: Man muss aus seinem Leiden auch kein Etsy-Produkt machen.

00:08:53: Schmerz schuldet niemandem ein schönes Ergebnis Aber was eine Form bekommt, muss nicht mehr vollkommen formlos in uns herumwüten.

00:09:02: Ein Wortschaft Abstand!

00:09:05: Ein Bild setzt einen Rahmen und ein Lied gibt dem, das bisher nur Druck war Einen Anfang und ein Ende.

00:09:13: Für vier Minuten wohnt der Schmerz in der Melodie und der Körper darf einmal aufhören, sein einziges zu Hause zu sein.

00:09:21: Manchmal ist dieser neue Ort auch ein anderer Mensch – einer, der nicht sofort repariert, bewertet oder seine eigene Geschichte drüberlegt.

00:09:31: Du sagst endlich was war und er hält's mit dir aus!

00:09:35: Der Schmerzen ist deswegen nicht weg aber er liegt für einen Moment nicht mehr mit seinem ganzen Gewicht auf nur einem Brustkorb.

00:09:43: Das ist der nüchternste Trost.

00:09:45: Geteiltes Leid wird nicht automatisch halbiert, aber es muss nicht länger so tun als gäbe es nur einen einzigen Träger.

00:09:53: In der Bibel begegnet uns ein ähnliches Bild beim Gottesknecht.

00:09:58: Im Buch Jesaja heißt das Ertrug unsere Krankheit und lud unsere Schmerzen auf sich.

00:10:04: Das Christentum hat daraus manchmal eine merkwürdige Pädagogik gemacht als sei Leiden besonders heilig, solange man niemandem damit auf die Nerven geht.

00:10:14: Trag dein Kreuz!

00:10:16: Sei Tapfer!

00:10:17: Lächel beim Gemeindecafé – Gott wird schon wissen warum?

00:10:21: Nein.

00:10:23: Jesus wird nicht zum Sarg in den alle ihre Schmerzen kippen und dann erleichtert nach Hause gehen.

00:10:30: Jesus trägt Schmerz aber er verschweigt ihn nicht.

00:10:33: In Gezemanie sagt er das seine Seele zu Tode betrübt ist.

00:10:38: Am Kreuz schreit er Er macht das Verzweiflung ein Gebet und es ist kein besonders frommes.

00:10:45: Er sagt mein Gott, wozu hast du mich verlassen?

00:10:49: Jesus gibt dem Schmerz eine Stimme.

00:10:51: er trägt ihn zu Gott sogar in den Moment, indem Gott sich unendlich weit weg anfühlt.

00:10:57: Und an Ostern kommt Jesus nicht mit einem himmlischen Photoshop Filter aus dem Grab.

00:11:03: Diese Wunden sind noch da.

00:11:05: Thomas darf sie sehen.

00:11:07: Der Auferstandene trägt seine Geschichte am Körper, aber sein Körper ist nicht mehr egrab.

00:11:13: Die Wunden sagen noch was Geschehenes, aber sie sagen nicht mehr das der Tod des Letzte Wortbehalten hat.

00:11:20: Auferstehung bedeutet also nicht dass der Schmerz aus der Biografie retuschiert wird – er bekommt einen anderen Ort und eine andere Bedeutung!

00:11:29: Er wird Erinnerungen, manchmal sogar Verbindungen….

00:11:32: Plötzlich erkennt sich ein anderer Mensch in dem wieder, was ich endlich aussprechen konnte und merkt dann Ich bin mit meinem Mordrohr offenbar nicht allein.

00:11:43: Deswegen berührt mich der Satz von Ehime Ora so Dein Körper ist kein Sarg.

00:11:49: Du musst den Schmerz nicht für immer in dir einmauern nur weil du lange genug gelernt hast dabei freundlich auszusehen.

00:11:56: Bring ihn irgendwo hin schreib einen Satz der niemandem gefallen muss sag einem Menschen wo es wehtut Und wenn dir nur ein Wüten des Gebet gelingt, dann ist auch das ein Ort außerhalb deines Körpers.

00:12:10: Gott hält schlechte Formulierungen aus!

00:12:12: Du musst den Ring nicht mit bloßen Händen zerbrechen.

00:12:16: Du musst auch nicht so tun als wäre er leicht.

00:12:19: Trage ihn dorthin wo ihr einen Namen bekommt und wenn du auf dem letzten Stück nicht mehr kannst hoffe ich dass da ein Samm ist einer der deine Last nicht romantisiert und dich trotzdem nicht liegen lässt.

00:12:32: Aus dem Schmerz wird irgendwann eine Geschichte.

00:12:35: Oder er bleibt als Narbe, beides darf sein.

00:12:39: Denn Heilung ist nicht der Moment in dem nie was geschehen ist.

00:12:43: Heilung beginnt da wo das Geschehene nicht mehr dein ganzes Inneres besetzen darf.

00:12:50: Dein Körper is kein Sarg und du läufst nicht für immer durch Mordor.