00:00:00: Bonnie Tyler ist gestorben.
00:00:02: Das kam als Meldung in den Nachrichten und das Erste, was mir einfiel waren riesige blondierte Haare... ...und diese kratzige Stimme!
00:00:12: Ich kenn' glaub ich genau zwei Lieder von ihr.
00:00:15: Totally Clips of the Heart und A Need a Hero.
00:00:19: Im Letzteren singt sie von der Sehnsucht nach einem Helden.
00:00:23: Und wie viele von uns singen im Herzen mit und denken sich Ja, ich auch.
00:00:29: Und dann bist du wieder sechzehn und schmetterst mit Tränen erstickte Stimme mit.
00:00:35: Äh, hab ich gehört!
00:00:36: Sie wünscht sich nicht einfach einen netten Menschen Mit guten Absichten Der Rosen- und Schokolade bringt.
00:00:43: Sie sucht nach jemandem der stark genug ist durch die Nacht zu kommen.
00:00:48: Einer den ich erschrickt.
00:00:49: wenn es gefährlich wird Der bleibt wenn alles andere auseinander fällt.
00:00:54: Ich glaub viele von uns kennen diese Sehnsucht.
00:00:58: Auch wenn sie sich nie laut aussprechen würden, dann möchten wir das.
00:01:02: einmal jemand all die Idioten kurz zum Schweigen bringt und sagt Stopp!
00:01:08: So redet ihr mit ihm nicht oder ihr.
00:01:12: Jemand der sagt Du musst es nicht mehr alleine tragen Ich sehe wie schlimm das ist.
00:01:19: Und jetzt mach die Augen zu lehne dich an.
00:01:22: ich mache das Und wenn er jetzt noch breite Schultern und ein weißes Pferd dabei hat, dann wäre das auch nicht schlimm.
00:01:30: Wir kennen diese Sehnsucht, dass einer kommt und alle Probleme löst – dich trägt und schützt und aufwängt.
00:01:37: Aber manchmal kommt niemand oder ganz ehrlich nie!
00:01:43: Das ist vermutlich eine der härtesten Sätze den Kind lernen kann zu denken «Wenn es schwer wird, bin ich allein.».
00:01:53: Vielleicht hat das Kind gerufen Einfach still gehofft, dass jemand die Angst bemerkt.
00:01:58: Dass einer der Erwachsenen vernünftig genug ist, die Situation zu verstehen.
00:02:03: Dass jemand den Streit beendet... ...die Hand festhält,... das Zimmer betritt und dich schützt!
00:02:10: Aber die Tür bleibt zu.
00:02:12: Ein Kind kann nicht denken, um.
00:02:14: die Erwachsenden sind gerade einfach selbst überfordert.
00:02:18: Es kann ich sauber unterscheiden zwischen deren Unfähigkeit und seinem eigenen Wert.
00:02:24: Das denkt leichter.
00:02:26: Offenbar darf ich nichts brauchen, offenbar bin ich sicherer wenn ich funktioniere.
00:02:31: Also wird es pflegeleicht, wachsam und zuvorkommt!
00:02:36: Es liest Stimmungen wie andere Kindercomics – es merkt am Klang eines Schlüssel im Schloß wie der Abend werden wird Und das weiß wann man besser nicht sagt sondern lieber im Schatten verschwindet.
00:02:50: Es wird der Erwachsen im Raum lange bevor er erwachsen ist.
00:02:55: Später nennen wir solche Menschen zuverlässig, belastbar, empathisch.
00:03:00: Das sind die, die den Geburtstag nie vergessen.
00:03:03: Die nach der Untersuchung beim Arzt direkt schreiben, kennst du die?
00:03:08: Die merken das hinter dem Lächeln was nicht stimmt!
00:03:12: Wenn es brennt laufen alle durcheinander und sie suchen schon den Feuerlöscher.
00:03:18: Sie sitzen Nachts im Auto weil jemand sie braucht halten Familien Freundschaften ganze Teams zusammen Und manchmal ist das tatsächlich Liebe.
00:03:29: Aber ehrlich gesagt steckt darunter auch oft ein alter Schwur, nie wieder soll jemand rufen und keiner kommt.
00:03:36: also komme ich immer Ich werde für andere der Mensch den ich selbst gebraucht hätte.
00:03:44: Das klingt schön und vielleicht is es sogar eine Berufung.
00:03:48: Wer Dunkelheit kennt sieht oft schneller wenn ein anderer darin verschwindet.
00:03:53: Wer einmal übersehen wurde, entwickelt ein besonderes Auge für Menschen am Rand.
00:03:59: Und es gibt Menschen deren Güte genau dort geboren wurde da wo sie selbst nicht gut behandelt worden sind.
00:04:06: Nur kann eine Berufung auch zum Gefängnis werden denn wer immer der Retter ist darf selten der Gerettete sein.
00:04:15: Wer alle auffängt muss so tun als hätte er selbst keinen Boden nötig.
00:04:20: Er kann stundenlang zuhören aber wenn jemand fragt Und wie geht's dir?
00:04:26: Dann sagt er, ach ja muss.
00:04:29: So jemand fährt nachts durch die halbe Stadt würde aber lieber zusammenbrechen als selbst anzurufen und gar nicht weil niemand da wäre sondern weil in ihm noch die alte Gewissheit wohnt das Bedürftigkeit gefährlich ist dann es helfen.
00:04:46: keine freie Entscheidung mehr.
00:04:49: sie ist eine Rolle vielleicht sogar Die Rolle, die in der ich mich am sichersten fühle.
00:04:54: Weil ganz ehrlich so lange du ein Problem hast weiß ich wer ich bin.
00:04:59: So lange du mich brauchst kann ich sicher sein dass ich nicht verlassen werde.
00:05:04: und solange ich deine Welt repariere muss ich nicht in das Zimmer gehen indem mein eigenes jüngeres Ich immer noch wartet.
00:05:13: Retter tragen selten Umhänge sie tragen volle Kalender und sagen Sätze wie kein Problem.
00:05:20: ich mach's schnell Und irgendwann werden sie müde.
00:05:24: Der Körper vergisst diese Aufgabe nämlich nicht so leicht, er bleibt aufmerksam auch wenn längst kein Feuer mehr brennt.
00:05:32: Eine ungelesene Nachricht im Messenger genügt und sofort beginnt die innere Leitstelle zu arbeiten.
00:05:38: Wer könnte verletzt sein?
00:05:40: Was muss ich sagen – wo muss ich
00:05:42: hin?!
00:05:43: Der Retter wartet nicht bis Hilfe erbeten wird!
00:05:46: Er spürt schon die Möglichkeit einer Notlage und steht innerlich auf Abruf.
00:05:53: Das ist übrigens der Punkt, wo Ruhe sich dann nicht mehr friedlich anfühlt sondern verdächtig.
00:05:59: Als hätte man was übersehen.
00:06:02: und dann wird Fürsorge zur Alarmanlage.
00:06:04: sie schützt andere aber sie lässt den eigenen Organismus niemals Feierabend machen.
00:06:11: Und selbst ein freier Nachmittag kann Schuldgefühle auslösen weil nichts tun sich wie unterlassene Hilfeleistungen fühlt.
00:06:19: Manchmal macht es auch wütend Denn unter aller Selbstlosigkeit liegt vielleicht so ein kleiner Zettel mit geleisteten Rettungseinsätzen, denen niemand sehen sollte.
00:06:30: Nach allem was ich für dich getan habe – nach all den Nächten und Gesprächen echt jetzt!
00:06:37: Der Satz kommt nicht aus Boßheit, er kommt aus Erschöpfung… Aus der heimlichen Hoffnung das Retten würde irgendwann zurück bezahlt … Mit Dankbarkeit oder wenigstens mit dem Gefühl unersetzlich zu
00:06:50: sein.".
00:06:51: Aber Menschen sind keine Projekte.
00:06:54: Die werden nicht heil, nur weil wir uns genug anstrengen.
00:06:59: Manche hören nicht auf unseren Rat – sie gehen zurück in die selbe Beziehung, denselben Streit, dieselbe Abhängigkeit!
00:07:07: Manche wollen unsere Hilfe gar nicht und es kann für einen Retter beinahe unerträglich sein, nicht nur weil der andere leidet sondern weil seine Entscheidung unsere Rolle
00:07:19: bedroht.".
00:07:20: Das ist der Unterschied zwischen Begleitung und Rettung.
00:07:24: Begleitung sagt, ich gehe ein Stück mit dir.
00:07:27: Die Rettungen nimmt den Autoschlüssel und sagt, gib her!
00:07:30: Ich mach das.
00:07:32: Beleitung traut dem anderen zu, dass er seinen Weg finden kann – und Rrettung braucht ihn auch so'n bisschen hilflos damit sie selbst notwendig is'.
00:07:43: Und dann wirkt diese Hilfe wie Liebe….
00:07:45: …und macht den Anderen trotzdem
00:07:47: kleiner.".
00:07:48: Bonnie Tyler wartet auf den Helden von draußen.
00:07:53: Jahre später singt Mariah Carey davon, dass der Held im eigenen Innern liegt.
00:07:58: Der Held, auf den du gewartet hast – der ist in dir!
00:08:02: Macht ihr keine Sorgen mehr denn du bist dieser Held.
00:08:07: Das Lied gilt als Ermutigung.
00:08:09: ich finde es eine Zumutung Weil ich dann denke ja geiles darf ich jetzt auch noch erledigen.
00:08:15: Natürlich ist es ein schönes Lied und es erinnert Menschen an Kräfte, die sie längst besitzen.
00:08:21: Und es sagt ja zu Recht du bist nicht so machtlos wie du dich gerade
00:08:25: fühlst.
00:08:26: aber wenn man beide Lieder miteinander reden lässt dann wird's plötzlich traurig.
00:08:32: Bonnie sagt ich brauche jemanden und Mariah antwortet dann musst Du ihn in dir selber finden.
00:08:39: und Bonnie sagt Aber Ich bin müde!
00:08:42: Ich habe Angst.
00:08:43: genau deshalb rufe ich doch.
00:08:45: Und Mariah sagt, sei stark.
00:08:48: Der Held bist du!
00:08:50: Für viele Menschen war das keine poetische Botschaft sondern Kindheit.
00:08:56: Niemand kam also wurden sie selbst zu dem Menschen der kommt.
00:09:01: niemand hielt die Welt zusammen.
00:09:02: also lernten Sie mit beiden Händen festzuhalten weil sie niemand gerettet hat.
00:09:09: Also machten sie aus Selbstrettung eine Identität.
00:09:14: Das ist ne ungeheure Leistung aber Heilung ist es nicht.
00:09:18: Heilung wäre, ich bin stark geworden und darf trotzdem jemanden brauchen.
00:09:24: Ich kann anderen helfen ohne für alles verantwortlich zu sein!
00:09:28: Und vor allen Dingen darf ich auch nein sagen, ohne lieblos zu werden?
00:09:33: Dann wenn ich heute keine Kraft habe – ich darf einen Menschen lieben ohne jeden seiner Kämpfe für ihn zu führen und ich darf zugeben, wenn ich selbst nicht mehr weiter weiß….
00:09:46: Das ist für viele Menschen aber schwerer als jede Heldentat.
00:09:50: Die schießen sich eher eine Bandscheibe raus, als zu sagen Du die Kiste ist so schwer.
00:09:54: kann mir bitte jemand helfen.
00:09:57: Denn Schwäche zeigen bedeutet den alten Versuch nochmal zu wagen, nochmal zu rufen und darauf zu vertrauen dass dieses mal jemand kommt.
00:10:07: Der Retter in uns hält das für fahrlässig Und dann sagt er dir Verlass dich mal lieber nicht drauf mach's lieber grad selbst.
00:10:16: Sei schneller als die Enttäuschung.
00:10:19: Und dann steht Jesus vor Menschen wie uns!
00:10:22: Das Christentum erzählt nicht nur von einem Gott, der sagt entdeck deine innere Kraft.
00:10:27: oder mein Lieblingssatz aus kirchlichen Kreisen du musst Herausforderungen gestalten.
00:10:34: das finde ich so hilfreich wie wenn das Leben dir Zitronen gibt dann mach Limonade draus.
00:10:40: Der christliche Glaube erzählt von einem gott der kommt Nicht immer so wie wir es bestellt hätten oder als muskulöser Held, der jede Gefahr an einer spektakulären Szene beseitigt.
00:10:53: Er kommt als Kind, als Wanderbrediger, als Freund, der müde wird und schläft – und vor allem auch als Einer, der nicht jeden Menschen heilt und nicht jede Katastrophe verhindert.
00:11:05: aber er kommt in die Verlassenheit hinein!
00:11:08: Das Evangelium für Retter ist deshalb nicht noch ein Auftrag.
00:11:13: Sei mutiger, hilf mir, trag auch das
00:11:15: noch!".
00:11:16: Es lautet, du bist nicht der Erlöser und das ist keine Kränkung.
00:11:22: Das ist eine Entlastung!
00:11:24: Du bist verantwortlich dafür wie du liebst aber nicht allmächtig über das was deine Liebe bewirkt.
00:11:32: Du kannst ne Hand reichen, ne Lampe an den Rand der Dunkelheit stellen Aber gehen muss immer der andere selbst Und manchmal darfst du sogar die Lampe aus der hand geben.
00:11:45: Vielleicht sitzt in dir noch immer der Mensch, der damals gewartet hat.
00:11:51: Während du draußen alle anderen rettest.
00:11:53: und hier sitzt noch immer ein einem verschlossenen Zimmer.
00:11:57: Er hört deine Schritte im Flur aber du gehst jedes mal vorbei weil irgendwo jemand anderes ruft.
00:12:06: Wie wäre es wenn heute der Tag wäre die Tür zu öffnen ohne ihm zu erklären wie stark er inzwischen geworden ist, ohne deinen besten Vortrag über Resilienz zu halten.
00:12:20: Einfach nur um sich danebenzusetzen und zu sagen es tut mir leid dass keiner kam du hättest echt jemanden gebraucht und das war nicht so viel verlangt.
00:12:32: Und dann vielleicht noch was, desser kaum glauben kann.
00:12:37: Du musst nicht immer derjenige sein der kommt und alle rettet damit du Bedeutung hast Damit man dich sieht.
00:12:46: Du darfst auch der sein, der Hilfe braucht und nicht noch die eigene Rettung organisiert.
00:12:52: Und du bist genauso geliebt, genau so viel wert – mit und ohne Schwert- und Helm- und weißem Wert!