00:00:00: Diese Geschichte ist nicht ausgedacht.
00:00:02: Sie hatte Wind in den Kleidern, feuchte Erde unter den Schuhen und dieses leise Beben in den Schultern, das du nicht vergisst wenn du es mal gesehen hast Wenn jemand versucht nicht laut zu weinen.
00:00:16: Martin stand vor mir auf dem Friedhof vielleicht fünf Meter weit entfernt.
00:00:22: erstand da nicht zum ersten Mal.
00:00:24: Er stand exakt an derselben Stelle wie damals so dass sein Körpers wusste bevor seinen Kopf einen Satz daraus machen konnte.
00:00:33: Vor ungefähr einem Jahr hatten wir genau da schon mal Abschied genommen, ein anderer Name, ein anderes Datum und jetzt wieder die Wege zwischen den Gehebern, wieder die Stimmen, die plötzlich kleiner werden – und dieser merkwürdige Moment in dem erwachsene Menschen aussehen als hätten sie für einen Augenblick vergessen wie stehen geht!
00:00:59: Sie verlagern das Gewicht, als wäre jede Haltung irgendwie unangemessen.
00:01:05: Es ging ein schwerer langsamer Wind durch die Linden und ich sah ihn an und dachte – du hast jetzt wirklich oft genug hier gestanden!
00:01:14: Als Pfarrer sagst Du solche Sätze nicht laut.
00:01:18: Du begleitest die Menschen auf ihrem Weg durch das Dunkel und dann drehst Du um und nimmst die Nächsten an der Hand.
00:01:24: Du hältst die Liturgie und Worte wie so einen Gelände hin aber innen Irgendwo hinter der professionellen Stimme gibt's manchmal diesen kleinen, wilden Protest.
00:01:35: Wenigstens bei mir.
00:01:37: Es reicht doch jetzt!
00:01:39: Irgendwann muss ein Mensch genug verloren haben.
00:01:42: Irgendwand muss der Himmel doch sagen.
00:01:44: für diesen einen ist heute erst mal Schluss mit Abschied.
00:01:48: Eva stand neben Martin und sie hielt seine Hand.
00:01:52: keine große Szene nur zwei Hände die sich aneinander festhielten Als wäre zwischen den Fingern so ein schmaler Steg über tiefes Wasser gespannt.
00:02:03: Sie weinte nicht laut, er auch nicht.
00:02:06: Aber seine Schultern die bebten und das war ehrlich gesagt trauriger als jeder Schrei.
00:02:12: Lautes Weinen hat ja noch Luft.
00:02:15: Stummes Wein ist ein Zimmer ohne Fenster.
00:02:18: Und dann kam wieder Wind über den Friedhof und der fuhr durch die Blumen hob eine Schleife am Kranz an und legte sie wieder ab als hätte selbst er keine Kraft für Patus.
00:02:30: Und in meinem Kopf tauchte diese Zeile aus dem Lied Pläne von Ina Müller auf, da sagt sie jetzt spielt die Wirklichkeiten faul und haut der Hoffnung eins aufs Maul schon wieder.
00:02:42: Seitdem klingt die Zeile für mich anders nicht mehr wie Pop sondern wie eine kleine Diagnose des Lebens – schon wieder!
00:02:51: Kennst du das?
00:02:53: Dass du nicht nur denkst, das tut weh.
00:02:55: Sondern es tut schon wieder weh!
00:02:58: Das der Schmerz einen Nachhall hat weil er eine alte Stelle trifft?
00:03:03: Du stehst vor einer Aufgabe von einem Gespräch vielleicht an dem Bett im Krankenhaus oder vor einer Tür die zugeht und irgendwas in dir sagt na super jetzt stehen wir wieder hier Und wieder die Rolle eines Herzens dass ich zusammenreist weil gerade niemand anderes den Raum hält.
00:03:22: dann wirkt das Leben wie so ein schlechter Witz mit Wiederholungsfunktion.
00:03:26: Wie in dem Film, und täglich grüßt das Murmeltier nur ohne Bill Murray – ohne Witz und ohne das beruhigende Wissen des Morgens der selbe Radiowecker kommt.
00:03:37: Im Film wiederholt sich der Tag bis der Mensch sich verändert.
00:03:42: Im Leben ist es glaube ich komplizierter.
00:03:45: Oft wiederhohlt sich nicht der Tag.
00:03:47: Nur die Wunde erkennt den Raum wider.
00:03:50: man nennt es auch Schmerzgedächtnis Ist total blöd, weil der Körper da schlau genug ist.
00:03:55: Aber wenn es um Glück geht?
00:03:57: Dann ist das gleiche Phänomen so eine blöde Suchtspirale wo das Belohnungssystem blind auslöst und du schlechte Entscheidungen treffst!
00:04:05: Ich habe hier Fragen an das kosmische Gleichgewicht.
00:04:09: Vielleicht ärgern mich deshalb diese alten Ideen immer wieder wie Karma oder Wiedergeburt... ...oder die Schleifen der Seele Der Gedanke dass wir zurückkehren bis wir gelernt haben was wir lernen müssen.
00:04:22: Und ja, da ist was Verführerisches dran, weil es das Chaos lesbar macht.
00:04:27: Es sagt ja nichtses umsonst – sogar dein Schmerz hat einen Lehrplan und deine Umwege gehören zu einer großen Schule!
00:04:36: Mich hat mal eine Frau in einem Seelsorgegespräch gefragt ob ich an frühere Leben glaubt und ich sagte ihr….
00:04:43: Ich bin ehrlich gesagt mit diesem Leben acht von sieben Tagen überfordert, ich möchte mit Sicherheit keine Bonusrunde drehen.
00:04:50: War das seelsorgerlich wertvoll?
00:04:52: vielleicht eher für mich als für sie.
00:04:55: Aber ich bin der, der vor Menschen wie Martin steht und dann ist mir diese Idee zu glatt?
00:05:00: Ich will ihm nicht sagen ja du lernst hier gerade was!
00:05:04: Ich will nicht aus seinem Verlust einen Kurs machen unter seinem zitterne Hausaufgabe.
00:05:10: Manche Wiederholung is keine Lektion Manche Widerholung es einfach Sterblichkeit.
00:05:16: Menschen die du liebst bleiben nicht für immer.
00:05:19: Körper werden müde Herzen hören auf zu schlagen Namen wandern von Klingelschildern auf Grabsteine und du stehst da, weil Liebe einen Ort braucht.
00:05:30: Auch die Tiefenpsychologie hat ihre Sprache für Wiederholungen.
00:05:35: Sie sagt wir reinszenieren was ungelöst ist!
00:05:39: Wir suchen wieder dieselben Menschen, dieselben Konflikte – diese Türen, die uns früher schon nicht aufgemacht wurden.
00:05:46: Und da ist viel Wahrheit drin.
00:05:48: Ich kenne das von mir.
00:05:49: ich habe schon in Gesprächen gesessen und altem Schmerz freundlich zugenickt Ah, neues Hemd!
00:05:54: Und er antwortet Ja, danke es dir auffällt.
00:05:58: Ich habe schon um Anerkennung gekämpft obwohl längst niemand mehr vor mir stand der diese Anerkendungen hätte geben können.
00:06:05: ich hab Freundlichkeit verschenkt und heimlich gehofft sie müsste doch endlich erwidert werden weil ich habe doch genug gegeben.
00:06:12: alles das ist auch Wiederholung nicht Ohnenwand sondern Seelenwand.
00:06:17: aber hier wird der Glaube für mich wichtig Nicht weil er die Schleife erklärt, sondern weil er mir widerspricht wenn ich mich mit dieser Schleipe verwechsel.
00:06:27: Du bist nicht nur deine Muster!
00:06:31: Du bist nie nur dein altes Drehbuch.
00:06:33: Gott zieht dich nie an und sagt na wieder nicht verstanden Dann drücken wir mal elend widerholen.
00:06:40: Gott sieht dich an so wie Jesus Petrus ansieht.
00:06:44: Dreimal hat Petrus gesagt Ich kenne dir nicht.
00:06:47: dreimal fragt jesus liebst du mich?
00:06:51: Und auch das ist Wiederholung.
00:06:53: Aber diesmal ist sie keine Falle, Sie is Heilung!
00:06:56: Jesus führt Petrus an den Ort seiner Schuld zurück immer wieder nicht um ihn dort festzubinden sondern weil er ihn nur dort losbinden kann und es verändert alles.
00:07:10: Wiederholungen kann Fluch sein.
00:07:12: Wiederhohlungen kann aber auch Liturgie werden.
00:07:15: Du kommst wieder an denselben Ort, aber nicht nackt und ungeschützt.
00:07:19: du kommst mit Worten Die größer sind als deine Kraft.
00:07:23: Erde zu Erde, Asche zur Asche Staub zu Staub.
00:07:28: Wir haben diese Sätze nicht erfunden weil sie schön klingen.
00:07:31: wir brauchen sie wenn unsere eigenen Sätze an manchen Tagen einfach so dünn sind.
00:07:37: der Glaube legt dir dann alte Worte in den Mund damit du nicht stumm bleiben musst wenn deinem Herz die Worte fehlen.
00:07:44: und das Christentum ist voll von Wiederholungen.
00:07:47: jeden Sonntag jedes Vater unser Jedes Jahr Advent, Weihnachten, Karfreitag und Ostern.
00:07:54: Immer wieder Brot immer wieder Kälch!
00:07:57: Immer wieder für dich gegeben Und das ist nicht langweilig Das ist Training für die Seele.
00:08:06: Gott wiederholt seine Gnade so lange bis sie tiefer sinkt als deine Angst.
00:08:11: Und er tut das nicht weil wir begriffsstutzig sind Sondern weil wir verletzlich sind und bleiben.
00:08:18: Es gibt ein ganzes Buch der Bibel, das heißt Klagelieder.
00:08:22: Und das klingt als wäre da jammern durchkomponiert worden aber es ist viel komplexer.
00:08:28: Da steht Gottesbarmherzigkeit is alle morgen neu.
00:08:33: und das heisst nicht dass jeder Morgen einen Neuanfang mit frisch gebügelter Hoffnung iß.
00:08:38: die Klage Lieder riechen nach Rauch und Trümmern.
00:08:41: sie sprechen aus einer Stadt den ich mehr weiß wie Zukunft überhaupt aussieht.
00:08:46: Alle morgen neu heißt er nicht, dass es halb so schlimm.
00:08:50: Es heißt du bist nicht am Ende!
00:08:53: Da ist wieder ein Atemzug Wieder Licht an der Wand Wieder diese eine Hand an Deiner und wieder genug Gnade für die nächsten Zehnschritte.
00:09:04: Und dann denke ich an Martin und Eva.
00:09:07: Er stand schon wieder da Furchtbar Aber sie Stand ja auch wieder da.
00:09:13: Die Wiederholung des Schmerzes war ja nicht allein, neben ihr stand die Wiederholungen der Liebe.
00:09:20: Schon wieder Abschied?
00:09:21: Ja!
00:09:22: Aber auch schon wieder eine Hand, schon wieder Wind, Segen und auch schon ein Gott, der nicht weg bleibt nur weil wir keine Antworten haben.
00:09:33: Das ist die einzige Form von Hoffnung, die ich in diesem Moment habe.
00:09:38: Gott befreit uns nicht immer sofort aus der Schleife aber Gott betritt sie.
00:09:43: Er ist nicht der Spielleiter, der oben sitzt und sagt noch einmal bist du es richtig gemacht hast.
00:09:50: Gottes der Christus, der unten mitgeht!
00:09:53: Der weiß wie Wiederholung klingt, verraten verspottet geschlagen gekreuzigt, der selbst erlebt dass Menschen immer wieder dieselbe Gewalt wählen – und er trotzdem wiederkommt als Frieden, nicht als Racher.
00:10:08: Ich glaube deshalb haben mich Martins Schultern in ihrem Beben so getroffen.
00:10:13: Das war nicht sein Gesicht oder die Tränen.
00:10:16: Es waren diese Schultern, die dann noch standen – schon wieder!
00:10:21: Da war keine Heldengeschichte.
00:10:23: Nur ein Mensch der die Jacke etwas enger um sich zog und trotzdem blieb bis alles gesprochen war.
00:10:30: Ich kenne diese beibenden Schultern.
00:10:32: Du kennst sie auch?
00:10:34: Es sind die mit denen du morgens manchmal ins Büro gehst obwohl die Nacht zu kurz war.
00:10:39: Mit denen du am Telefon freundlich bleibst, obwohl du innerlich total müde
00:10:43: bist.".
00:10:44: Es sind die, die weiter lieben.
00:10:46: Obwohl du längst gemerkt hast, dass Liebe keinen Versicherungsschutz gegen Verlust enthält.
00:10:53: Und genau da glaube ich beginnt Religion.
00:10:55: Sie ist nicht die Erklärung von Schmerz!
00:10:58: Sie is Kraft mitten im Beben Leise und heilig und ewig.
00:11:05: Als ich vom Friedhof Heim gefahren bin blieb mir diese Satz am Kopf schon wieder Und irgendwie klang er nicht nur bitter.
00:11:13: Er hatte so eine zweite Stimme bekommen Eine Harmonie, die drüber liegt.
00:11:18: Schon wieder Schmerz, ja?
00:11:21: Aber auch schon wieder Liebe!
00:11:23: Schon wieder dieselbe alte Wunde aber auch schon ein Gott der seine Hand nicht zurückzieht.
00:11:29: Das ist kein Ausweg – aber für mich ist es ein Anfang.
00:11:33: und manchmal ist in Anfang alles was du brauchst wenn du vor einer Wand stehst mit beibenden Schultern und nicht weißt wie du weitergehen sollst.