00:00:00: Der traurigste Satz der Bibel steht nicht bei Karfreitag, als Jesus stirbt.
00:00:05: Er wird nicht von Pilatus gesprochen und auch nicht von den Frauen am Grab.
00:00:11: Der trauregste Satze der Bibels wird auf einer Landstraße gesprochen – von zwei Menschen die nach Hause gehen.
00:00:18: Jesus ist tot!
00:00:20: Die Hoffnungstot!
00:00:22: Die Zukunft, die sie sich ausgemalt hatten liegt irgendwo zwischen Jerusalem und einem Grab.
00:00:28: Und dann sagen Sie das hier….
00:00:31: Wir aber hofften.
00:00:33: Drei Worte, drei Wörter voller Vergangenheit!
00:00:38: Wir aber Hofften.
00:00:40: Es ist der Satz den Menschen sagen wenn etwas endgültig geworden ist.
00:00:45: wir hoffen auf Heilung und mehr Zeit.
00:00:48: Wir hoffen darauf dass es gegen jede Erwartung doch wieder gut wird.
00:00:53: ich glaube jeder Mensch sammelt im Laufe seines lebensen paar solcher Sätze.
00:00:58: einer meiner Sätze beginnt an der Theologischen Hochschule Und wie viele schlechte Entscheidungen meines Lebens beginnt auch diese Geschichte mit Sturheit.
00:01:08: Mit siebzen hielt ich Sturheid für Willensstärke, Ich dachte, ich stehe endlich für mich ein, lass mir gar nichts sagen!
00:01:15: Heute weiß ich, Sie ist oft eine erstaunlich teure Art Umwege zu produzieren.
00:01:29: Und so endete meine elfte Klasse mit vier Punkten.
00:01:33: Für ein Latinum hätte ich fünf gebraucht!
00:01:36: Der Lehrer sagte, er verschenkt dir auch nichts und dass sich Latein in der Stufe darunter für einen Jahr besuchen soll und dann bekäme ich mein Latinum.
00:01:46: Schlauer Patrick dachte sich mit siebzehn.
00:01:49: wozu braucht denn bitte irgendwer?
00:01:52: Ein Latinum?
00:01:54: Wir spulen vor zum Theologie-Studium Jahre später.
00:01:57: Hierfür braucht man Altgriechisch Hebräisch Und ein Latino.
00:02:03: Jetzt hätte ich mir eingestehen können, dass das eine blöde Nummer war an der Elf.
00:02:07: Aber warum?
00:02:08: was draus lernen?
00:02:09: Also meldete ich mich für sechshundert Euro Für einen Sommerintensivkurs An der katholischen Hochschule an.
00:02:16: Da lernte ich jemanden kennen.
00:02:18: Nennen wir ihn Marius.
00:02:20: Der hieß nicht Marius Aber Menschen die uns wirklich prägen Verlieren irgendwann ihren Namen.
00:02:26: Sie werden zu Liedern Zu Geräuschen Zu Jahreszeiten zu so einer bestimmten Farbe des Himmels.
00:02:34: Zu Erinnerungen, die plötzlich auftauchen während man eigentlich nur Zahnpasta kaufen wollte.
00:02:40: Ich erinnere mich kaum noch an den Unterricht.
00:02:42: Die Grammatik ist weg, die Prüfungen sind auch weg.
00:02:46: Geblieben ist ein Café.
00:02:49: Marius stellt ihn vor mich hin und sagte, brauchst du noch Zucker oder bist du süß genug?
00:02:54: Es war ein furchtbarer, furchttbarrer Flerdspruch Ein sprachliches Verbrechen.
00:03:01: Und trotzdem musste ich lachen.
00:03:03: Nicht wegen des Satzes, sondern wegen ihm weil manche Menschen so was an sich haben.
00:03:08: Das kann man nicht lernen oder vortäuschen.
00:03:11: So eine selbstsichere Leichtigkeit Charme, Charisma und Humor der auch über sich selbst lachen kann Die Fähigkeit sich selbst nicht ständig beim Leben zuzusehen.
00:03:23: Wir gingen später spazieren in der Mittagspause im Park.
00:03:27: Es war warm und über uns linden und einen Rauschen und Flackern, nichts davon wäre eine Postkarte wert gewesen.
00:03:36: Und trotzdem erinnere ich mich an jedes Detail – Ich kann euch nicht sagen über was wir geredet haben aber ich weiß noch genau wie verstanden ich mich gefühlt habe!
00:03:47: Und dann war da dieser Augenblick unsere Hände berührten sich zufällig vielleicht ein Sekunde oder zwei und ich hatte das Gefühl mein Herz verstand plötzlich warum es überhaupt jemals Schlagen gelernt hatte.
00:04:02: Von außen betrachtet geschah überhaupt nichts.
00:04:05: Zwei Menschen liefen nebeneinander her, eine kurze Berührung weiter nichts aber innerlich verschoben sich Kontinente.
00:04:16: etwas hob den Blick erkannte sich selbst.
00:04:20: damals dachte ich immer die Geschichte Handler von ihm.
00:04:23: heute glaube ich sie handelte mindestens genauso sehr von mir von einem jungen Mann der zum ersten Mal begriff das Liebe keine Theorie ist oder ein weiterer Grund betrunken Balladen zu hören.
00:04:35: Sie ist nichts, dass man Gott so lange logisch zu begründen versucht bis er endlich einsieht das du recht hast und es total Sinn macht!
00:04:44: Sie is nie lau oder schon ganz okay sondern dieser Moment wo Strom über deine Haut fließt und du kurz die Luft anhälst.
00:04:55: Die Geschichte dauerte nicht ewig – die meisten großen Geschichten tun das nicht.
00:04:59: Weg trennten sich Leben entwickelten sich weiter Und irgendwann wurde aus Gegenwart Erinnerung.
00:05:05: Und ich habe lange gedacht, es sei der traurige Teil.
00:05:09: Aber vielleicht hab' ich mich geirrt?
00:05:11: Der Traurigeteil ist nicht das Geschichten enden!
00:05:14: Der traurigen Teil ist die Erkenntnis, dass sie nicht zurückkommen.
00:05:18: Weil's Leben linear is'.
00:05:20: Es läuft nur in eine Richtung.
00:05:22: Vorwärts immer vorwärz.
00:05:24: Nie zurück.
00:05:26: Wir wissen das natürlich alle.
00:05:28: Jedes Kind weiß das... Und trotzdem verbringen wir erstaunlich viel Zeit damit, innerlich gegen diese Regel zu protestieren.
00:05:36: Ein Lied läuft im Radio und plötzlich bist du wieder zwanzig oder so.
00:05:41: ein Geruch zieht vorbei – Kloa & Pumphrit!
00:05:45: Und für einen Augenblick stehst Du wieder am Beckenrand neben jemandem der seit Jahrzehnten nicht mehr da ist.
00:05:51: Ein Name fällt und für einen Herzschlag vergisst Du das Du nicht zurück kannst.
00:05:57: So ist die
00:05:57: Zeit.".
00:05:59: wie die Nadel auf dem Schallplattenspieler.
00:06:02: Was vor dir ist, kennst du noch nicht?
00:06:04: Und was hinter dir ist – das Weg für immer!
00:06:08: Vor einigen Monaten starb mein Hund Einstein.
00:06:12: Elf-einhalb Jahre lang war er da.
00:06:15: Elfeinhalb jahrelang gehörte sein Geräusch zum Haus Das Klack an der Kallen auf den Fließen Dieses Tief säufzen wenn es sich auf seinen Bauch legte Immer direkt vor der Küche falls jemand doch noch den Kühlschrank öffnet, seine bemerkenswerte Fähigkeit genau da zu liegen wo man gerade entlang gehen wollte.
00:06:37: Und dann kam dieser Tag, dritter Dezember und ich saß neben meinem Hund auf dem Teppich der nicht mehr aufstehen konnte, der nicht weiter konnte.
00:06:48: Wir saßen da von morgens um acht bis zwölf Uhr dreißig als die Tierärztin zu uns kamen.
00:06:56: Ich hätte nicht gedacht, dass heute der letzte Tag ist.
00:07:03: Er wurde eingeschleffert und als die Ärztin weg war, strich ich ihm noch einmal über den Kopf Und dann kamen die Tränen und ich weinte und ich schrie bis sich heißer war.
00:07:17: An diesem tag wurde aus meinem Einstein eine erinnerung So aus dem Nichts so endgültig.
00:07:24: und natürlich wusste ich immer das Hunde sterben.
00:07:28: Aber mein Vater hat mal zu mir gesagt, denn grau ist alle Theorie und Grün des Lebensbaum.
00:07:34: Ich glaube es ist Goethe – ich werde's jetzt nicht googeln!
00:07:37: Wissen und Begreifen sind verschiedene Dinge.
00:07:41: Wissen ist eine Information.
00:07:44: Begreifend ist ein Erdbeben.
00:07:48: Begreifen bedeutet dass es keinen weiteren Spaziergang geben wird.
00:07:52: Kein weiteres Wedeln wenn ich die Stufen hochkomme in ein Haus das jetzt leer ist.
00:07:58: Nur Erinnerung.
00:08:00: Und irgendwann fiel mir auf, dass die Trauer um Einstein und die Erinnerungen an Marius dieselbe Wurzel berühren nicht weil die Geschichten vergleichbar wären sondern weil beide von Endlichkeit erzählen.
00:08:14: Einstein kommt nicht zurück.
00:08:16: Dieser erste Moment echter Verliebtheit kommt auch nicht zurück.
00:08:20: Der junge Mann von damals Kommt nie wieder!
00:08:25: Ich glaube, es ist diese Entgültigkeit.
00:09:00: Auf meiner Zugfahrt mit dir Liebe und mit Gott.
00:09:04: Man steigt ein, man fährt durch Landschaften die man nie vergisst.
00:09:09: Man sieht Dinge die einen verändern.
00:09:11: Du schaust aus dem Fenster und weißt manchmal schon während der Reise Dass du dich später an genau diesen Moment erinnern wirst.
00:09:19: Und irgendwann hält der Zug an und du steigst aus.
00:09:24: Die Reise ist vorbei.
00:09:26: Der Fehler besteht darin zu glauben die Fahrt sei nur dann echt gewesen Wenn sie nie endet.
00:09:32: Das Quatsch!
00:09:34: Sie war echt, weil sie stattgefunden hat.
00:09:37: Vielleicht wirst du nie wieder genauso fühlen wie in diesem Moment aber vielleicht musst du das auch nicht?
00:09:43: Vielleicht reicht es wenn Du einmal verstanden hast wie sich anfühlt... ...wenn das Herz schneller schlägt als die Vernunft.
00:09:51: Diese hormoneinduzierte Geisteskrankheit wenn Du das erste Mal so richtig verliebt bist oder wenn ein kleines Fellknäuel auf deinem Unterarm liegt.
00:10:03: Und du weißt, dass du es mit jedem Atemzug schützen wirst.
00:10:08: Reife besteht nicht darin jede große Erfahrung zu wiederholen.
00:10:12: Reive besteht darin dankbar zu werden, das man sie überhaupt erleben durfte.
00:10:17: Der Rest des Lebens besteht ohnehin selten aus Feuerwerken.
00:10:22: Er besteht auch aus Rechnungen, Verantwortung, Kalendereinträgen, Familie, Treue durchhalten... morgens aufstehen und abends müde ins Bett fallen.
00:10:34: Das klingt jetzt weniger romantisch als ein Spaziergang im Park, ich weiß aber es ist trotzdem Leben!
00:10:40: Es ist echtes Leben vielleicht sogar das Wichtigste.
00:10:45: Und doch gibt es diese Momente stille Augenblicke wenn du am Fenster sitzt und ein Lied läuft und die Erinnerung flackert in der Fensterscheibe und du denkst kurz mein Gott das wirklich passiert.
00:11:00: Diesen Menschen gab es, diesen Moment.
00:11:03: Mein Einstein hat wirklich existiert und dieser Mensch der damals durch den Park lief das war wirklich ich.
00:11:11: Ich glaube wir weinen in solchen Momenten nicht über die Vergangenheit Wir weinen über ihre Entgültigkeit.
00:11:18: Und genau da beginnt für mich der Glaube Denn die Geschichte von Emmaus vom Anfang Die endet nicht mit dem Satz wie ihr aber hofft sie geht weiter.
00:11:30: Die beiden Jünger laufen mit einem Fremden und sie erkennen ihn nicht.
00:11:33: Sie erzählen ihm ihre Enttäuschung, ihren Schmerz und ihre zerbrochenen Erwartungen.
00:11:40: Und erst am Abend beim Brotbrechen merken sie wer das ist!
00:11:45: Der Gedanke dahinter ist einer der schönsten finde ich.
00:11:49: Jesus begegnet ihnen nicht vor ihrer Trauer sondern mitten in ihr.
00:11:54: er läuft die ganze Strecke mit.
00:12:01: Sie bekommen die alten Tage nicht wieder, aber sie entdecken das Gott selbst schon auf dem Weg war als sie dachten alle sei verloren.
00:12:10: Das ist die christliche Hoffnung – das meine Hoffnung!
00:12:14: Nicht dass wir unsere Vergangenheit zurückbekommen, nicht dass mein Einstein wieder durch den Flur läuft.
00:12:20: Nicht, dass wir nochmal zwanzig werden sondern, dass Gott nichts von dem verliert was wir geliebt haben.
00:12:28: Dass wir loslassen müssen… Aber Gott nicht.
00:12:32: Wir vergessen, wir müssen Abschied nehmen.
00:12:35: Aber Gott lässt nichts fallen!
00:12:38: Die Ewigkeit ist nicht Gottes Großes vergessen – sie ist Gottes perfektes Erinnern.
00:12:44: Unsere Welt ist linear und die Nadel kratzt weiter über die Schallplatte.
00:12:50: Die Zeit ist linear unser Leben aber Gott es ist nicht.
00:12:56: Und wenn das stimmt dann bedeutet Auferstehung nicht dass die Vergangenheit zurückkehrt sondern das Liebe bewahrt wird, dass nichts von dem was wirklich geliebt wurde jemals verloren geht.
00:13:08: Das ist die einzige Antwort die mir auf den Satz wir aber hofften einfällt.
00:13:14: Diese Hoffnung war nicht falsch.
00:13:17: Sie waren nur größer als sie verstanden haben.
00:13:20: Wir markieren Geschichten.
00:13:21: alles beendet erste Liebe alte Freunde und Häusern Lebensphasen Und natürlich haben wir recht dass sie vorbei sind.
00:13:30: Aber vorbei ist eben nicht dasselbe wie verloren.
00:13:34: Denn wenn Gott wirklich erinnert, dann verschwindet keine Liebe im Nichts!
00:13:40: Dann endet keine Geschichte in Vergessenheit und Erinnerung wird zu mehr als Nostalgie.
00:13:46: Sie wird zu einem Hinweis darauf das unser Herz für mehr geschaffen wurde als für Abschiede.
00:13:52: Vielleicht rebellieren wir deshalb gegen Entgültigkeit – und wir wären uns gegen das
00:13:57: Vergehen.".
00:13:59: weil irgendwas in dir ahnt, das Liebe eigentlich bleiben möchte.
00:14:04: Und manchmal sitze ich am Fenster und denke an einen Hund, an ein junger Mann mit einem furchtbaren Kaffeespruch und eine Version meiner selbst die längst vergangen ist.
00:14:17: Dann wird mir das bewusst – mein Gott!
00:14:20: Das es wirklich passiert.
00:14:22: Dieser Mensch bin wirklich mal Ich gewesen und diese Momente haben meinen Herz berührt und
00:14:28: verändert.".
00:14:30: Und vielleicht antwortet Gott in genau diesem Moment.
00:14:34: Ja, und ich habe nichts davon vergessen!