00:00:00: Es gibt so eine Müdigkeit, die nicht vom Schlafmangel kommt.
00:00:04: Man kann acht Stunden schlafen ordentlich Frühstücken, Wasser trinken und trotzdem das Gefühl haben, irgendwer hat über Nacht die innere Batterie ausgebaut und durch ne Attrappe ersetzt.
00:00:16: Und von außen sieht alles benutzbar aus.
00:00:19: Das Display leuchtet Licht ist auch an Die Apps im Kopf öffnen sich und du antwortest auf Nachrichten mit Alles gut Vielleicht sogar mit Emoji dahinter Aber irgendwo drinnen steht noch drei Prozent Akku und kein Ladekabel in Sicht.
00:00:36: Diese drei Prozent sind nicht immer körperliche Erschöpfung, manchmal sind sie auch die Müdigkeit einer Seele, die zu lange versucht hat lesbar zu bleiben für andere.
00:00:47: Eine, die immer fragt, bin ich so richtig?
00:00:50: Bin ich so liebenswert?
00:00:52: Bin Ich so angenehm?
00:00:53: Bin Ich So dass man freiwillig bleibt?
00:00:56: Es gibt Menschen Die verlieren sich Nicht In großen Dramen mit Trommelwirbel, Gewitter und zerbrochenem Glas.
00:01:03: Sie verlieren sich leise in kleinen Anpassungen, In höflichen Selbstverkleinerungen, in Sätzen die sie nicht sagen, in Wünschen die sie zurücknehmen.
00:01:15: Sie verlieren sich in Räumen in denen sie spüren wenn ich ganz Ich bin dann werde ich zu viel.
00:01:21: also werden sie durchsichtiger ein bisschen weniger laut weniger bedürftig Sie werden weniger kompliziert und dadurch weniger wahr.
00:01:32: Und irgendwann stehst du morgens vor dem Spiegel, und siehst ein Gesicht das du kennst Aber es überrascht dich Auf so eine ganz seltsame Weise.
00:01:41: Ach krass!
00:01:42: Sieht irgendwie anders aus.
00:01:45: Das musicale Elisabeth hat dafür ein ganz schmerzhaft schönes Bild.
00:01:49: Wenn ich dein Spiegl wäre heißt das Lied Das singt ihr Sohn Rudolf für sie Und es erzählt diese Sehnsucht für einen anderen Menschen genau das zu sein, was er braucht.
00:02:01: Wenn du nicht einfach geliebt werden willst, sondern wirklich gebraucht und dir wünschst unersetzlich zu sein – auch wenn es heißt, du bist nur eine Projektionsfläche!
00:02:11: Und so lautet dann der Text des Liedes «Wenn ich dein Spiegel wäre, dann würdest du dich in mir sehen».
00:02:19: und dann fühlt's dir nicht so schwer, was ich nicht sage, zu verstehen bis du dich umdrehst… Weil du dich zu gut in mir erkennst.
00:02:28: Das klingt zuerst zärtlich und fast hingebungsvoll, aber eigentlich ist es eine furchtbar gefährliche Selbstaufgabe weil ein Spiegel kein eigenes Gesicht hat.
00:02:40: er zeigt zurück was vor ihm steht.
00:02:44: Er ist wichtig solange jemand hineinschaut und er wird nie gefragt was er selbst sieht.
00:02:50: man hängt ihn auf.
00:02:52: Manchmal glaube ich, machen wir genau das mit uns selbst.
00:02:56: Wir hängen uns in die Augen anderer Menschen und hoffen, dass sie uns dann endlich sehen!
00:03:01: Wir werden zu dem was jemand sehen will – für die Eltern die brave Version, für die Gemeinde die belastbare, für den Partner die unkompliziert und für das Internet die interessante Version.
00:03:14: Wir versuchen in jedem Blick vorzukommen und nennen das dann Selbstfindung.
00:03:19: dabei ist es oft nur Spiegelarbeit.
00:03:22: Die Psychologie hat dafür einen klugen Gedanken.
00:03:25: Unser Selbstbild entsteht nicht nur in uns, wir bauen es auch aus dem was wir glauben an den Augen anderer zu sehen.
00:03:33: Wir bauen das aus Vermutungen Aus Blicken und Pausen Aus Nachrichten ohne Ausrufezeichen oder großes Kino Nachrichten die mit drei Punkten enden.
00:03:45: Der Mensch ist manchmal ein Säugetier mit WLAN und Interpretationsschaden.
00:03:50: Wir brauchen Resonanz, Menschen die uns spiegeln.
00:03:53: Damit du weißt Du bist noch da!
00:03:56: Du bist nicht egal und vergessen.
00:03:59: Das Problem beginnt wenn aus Resonans eine Abhängigkeit wird Wenn ich nicht mehr frage wer bin Ich sondern Wer muss ich sein damit du bleibst?
00:04:10: Dann wird das eigene Ich zu einem dauernd geöffneten Bearbeitungsdokument.
00:04:15: Jeder darf kommentieren manche dürfen sogar direkt im Text ändern.
00:04:20: Und irgendwo tief in uns sitzt eine erschöpfte innere Assistenz und klickt auf alle Änderungen übernehmen.
00:04:28: Du sollst nicht so empfindlich sein, Änderung übernommen – und stärker also für mich auch übernimmt.
00:04:36: Äh überhaupt du solltest mal dankbarer sein, änderung übernommen!
00:04:41: Und irgendwann besteht das eigene Leben aus fremden Korrekturen?
00:04:46: Dann glauben wir müssen so ein Backup wieder herstellen aus der Cloud, der Kindheit.
00:04:52: Auf einer alten Diskette mit der Beschriftung ich bevor alles kompliziert wurde.
00:04:57: Vielleicht kann man die Laden zurücksetzen so auf Werkseinstellungen.
00:05:02: aber wer sich selbst sucht muss nicht in alten Disketten wühlen.
00:05:06: Du bist nicht nur die Version wie du mal warst.
00:05:10: Du bist Nicht nur der Mensch vor der Enttäuschung Vor der Überforderung vor den Blicken die dich irgendwie verändert haben.
00:05:18: Du bist nicht beschädigtes Software.
00:05:21: Und auch kein fehlgeschlagenes Update.
00:05:23: Selbstfindung heißt nicht, die alte Version wieder ausgraben.
00:05:27: Das heisst die Brille der Erwartungen abzusetzen.
00:05:31: Diese Brille ist tückisch!
00:05:32: Man merkt oft gar nicht dass man sie trägt.
00:05:34: Sie sitzt irgendwann so selbstverständlich auf der Nase Dass man denkt Die Welt sehe wirklich so aus und dadurch wirken manche Menschen wichtiger als sie sind.
00:05:46: Durch diese Brille sieht man sich selbst immer nur im Konjunktiv.
00:05:50: Ich wäre liebenswert, wenn... ich wär genug.
00:05:54: Wenn als ich wäre endlich angekommen bin.
00:05:58: und genau da beginnt der Verlust.
00:06:01: nicht weil wir kein Ich mehr hätten sondern weil wir es aufschieben.
00:06:06: Weil wir uns selbst nur noch als unvollständige Möglichkeit behandeln als Person die erst nach der nächsten Optimierung wirklich leben darf.
00:06:15: vielleicht bist du nicht verloren Vielleicht bist du nur müde davon, eine Version von dir zu spielen die endlich geliebt werden sollte.
00:06:24: Wie viele Menschen spielen seit Jahren ne Version von sich, die endlich Geliebt Werden Sollte?
00:06:30: Die erfolgreiche Version!
00:06:31: Die Pflegeleichte, die die alles mit einem Witz entschärft bevor jemand merkt dass darunter was blutet.
00:06:37: und während diese Versionen funktionieren sitzt irgendwo das eigentliche ich auf der inneren Kellertreppe hält ein fast leeres Handy in der Hand und flüstert Ich kann nicht mehr.
00:06:49: Die gute Nachricht des Evangeliums ist nicht, finde ich endlich selbst.
00:06:53: Dann findet Gott dich auch wieder gut!
00:06:56: die wir längst hätten an die Garderobe hängen dürfen.
00:07:22: Gott steht nicht genervt am Ausgang deines Selbstfindungslabyrinths und ruft, also langsam müsstest du echt mal fertig sein.
00:07:30: Der hält auch keine Stoppuhr!
00:07:32: Der sagt nicht – Du meldest dich einfach wieder wenn du authentisch bist ja?
00:07:36: Und er ist auch kein spiritueller Türsteher vor dem Club der stabilen Persönlichkeiten.
00:07:41: Gott kennt dich unter den Schichten.
00:07:44: Unter der Version, die funktioniert und gefallen will unter der Version, die alles im Griff hat.
00:07:50: Die mit drei Prozent Akku und siebenundvierzig geöffneten Tabs im Kopf immer nach rund läuft.
00:07:56: Gott kennt dich auch als Hochglanzprofil Aber eben nicht nur.
00:08:02: Der kennt dich auf müde Und verzettelt und sehnsüchtig Großartig zerzaust und unfertig.
00:08:09: Der kennt Dich in allen Deinen Facetten Weil er Dich so gerufen hat in dieses Leben.
00:08:16: In der Bibel gibt's diese große Bewegung Menschen gehen verloren Aber Gott schreibt sie nicht ab.
00:08:22: Da geht eigentlich quasi alles ständig verloren, ein Schaf geht verloren, eine Münze, einen Sohn und kein einziges Mal wird gesagt.
00:08:31: Pech gehabt!
00:08:33: Hättest du dich mal besser organisiert?
00:08:36: Jedes einzelne Mal wird gesucht, gewartet und am Ende umarmt.
00:08:42: Das Verlorene ist nicht wertlos, sonst wird es keiner vermissen oder bemerken.
00:08:48: Und wenn einem was wertloses Abhanden kommt, dann nimmt man das in Sorgung.
00:08:52: Aber das Verlorene ist so wertvoll – dass Gott sich in Bewegung setzt!
00:08:58: Wir denken wir müssten uns selbst finden damit wir wieder wertvoll werden.
00:09:02: Aber im Evangelium werden wir gesucht weil wir wertvoll sind.
00:09:07: Das nimmt dir die Arbeit nicht ab.
00:09:09: natürlich musst du manchmal Entscheidungen treffen, Grenzen ziehen und Menschen enttäuschen vor allem die, die unsere Verfügbarkeit mit Liebe verwechselt haben.
00:09:18: Aber wir machen das nicht, um endlich vor Gott auffindbar zu werden.
00:09:23: Wir machen das bitte weil wir vor Gott nie verloren sind und vielleicht darf man darum wirklich einfach mal entspannt verloren sein so ohne Nebelmaschine und Schild.
00:09:34: bitte nicht retten.
00:09:35: ich finde mich gerade selbst aber einfach entspannt verloren ein bisschen verehrt so im eigenen Leben ohne Karte nennen wir es doch auf Selbstfindungsisolations retreat inklusive schlechtem WLAN und fragwürdiger Kräuter-Themischung.
00:09:55: Aber nicht Gott verlassen, nie!
00:09:57: Nie Gott verlessen.
00:09:59: Du darfst suchen ohne einen Panik zu geraten, du darfst sich verändern ohne dich zu verraten eine alte Version würdigen ohne sie wiederherstellen zu müssen.
00:10:11: Du kannst einfach sagen das war ich aber das bin ich nicht mehr Und es genügt zu wissen Das bin ich jetzt auch wenn's noch nicht so elegant aussieht.
00:10:23: Aber hör auf, ein altendes Ketten zu wöhlen oder in jedem Gesicht nach deiner Spiegelung zu suchen ob du angenehm genug bist.
00:10:32: Du musst nicht beweisen dass du liebenswert bist indem du dich unkenntlich machst.
00:10:38: Setz die Brille der Erwartungen anderer einfach mal ab!
00:10:41: Nicht alle Stimmen verdienen es deine innere Architektur zu bestimmen.
00:10:46: Nicht jeder Mensch der dich anders haben will finde ich klarer als Gott.
00:10:51: Und wenn du heute müde bist von dieser Version, die endlich geliebt werden sollte dann leg sie mal beiseite.
00:10:58: Vielleicht erstmal nur fünf Minuten in dem Gebet das nicht schön klingt sondern wahr.
00:11:04: Leg's ja ab!
00:11:06: Gott sucht nicht deine letzte stabile Version.
00:11:10: er sucht nie die Fassung die für andere leichter zu ertragen ist.
00:11:14: Er sucht dich und vielleicht es genau dass der Anfang davon dich selbst wiederzufinden?
00:11:21: Nicht im Spiegel oder anderen Leuten In diesem einen Blick, der dich nicht braucht damit du was reflektierst und zurückwirbst.
00:11:30: Der dich nicht liebt weil du funktionierst.
00:11:33: Der Dich nicht hält weil Du Dich endlich gefunden hast sondern weil Du selbst dort wo Du DICH verlierst nie aus Gottes Hand fällst.