00:00:00: Ich habe vor gefühlten hundert Jahren Schülerpraktikum in mein Taunuszentrum gemacht.
00:00:05: Bei Radio Deal, das war so eine Elektronikkette die heute ungefähr so modern klingt wie Diskettenlaufwerk oder Telefonkarte.
00:00:14: oder bitte legen sie die CD-ROM ein.
00:00:17: ich war fünfzehn oder sechzehn und für den Einzelhandel etwa so begabt wie ein Fisch für die Steuerberatung.
00:00:25: meine Motivation lag morgens außerdem so Zwischen innerer Kündigung und akutem Winterschlaf.
00:00:32: Also beschloss ich, mich vor Arbeitsbeginn mit einer heißen Schokolade aufzuputschen.
00:00:37: Ich und die anderen Praktikanten kamen weit vor Ladenöffnung ins MTZ.
00:00:43: Die Rolltreppen standen noch.
00:00:45: Die Geschäfte waren dunkel Überall.
00:00:47: diese komische Einkaufszentrum stille In der selbst sie schaufenster aussehen als müssten sie erst mal Bach werden Nur nicht vorm Chibo.
00:00:58: Vom Chibo standen schon Menschen, ältere Menschen viele.
00:01:03: Eine richtige kleine Versammlung als gäbs gleich Kaffeemaschinen für fünf Mark oder die letzte Packung Thermo unterwäsche Deutschlands.
00:01:12: aber es gab keinen besonderen Anlass keine verknappte Ware kein unschlagbares Angebot.
00:01:20: Es war einfach Dienstagmorgen mitten im Mai und trotzdem standen die da Und warteten darauf, dass die Tür endlich aufging.
00:01:30: Ich fand das völlig absurd!
00:01:32: Auch weil ich fünfzehn war und nur dachte, warum sitzen die denn nicht vorm Rechner- und Spielen-GTA wenn sie doch immer frei haben?
00:01:41: Warum steht man freiwillig vor einem geschlossenen Chibo?
00:01:45: Warum ist man so früh in nem Einkaufszentrum und was kann in diesem Laden warten, dass es so dringend
00:01:51: ist?!
00:01:52: Heute glaube ich gar nichts oder eben alles... Ein Kaffee, ein Stück Kuchen.
00:02:00: Ein Tisch an dem später noch jemand anderes sitzt.
00:02:04: Vielleicht warteten diese Menschen nicht darauf das ein Laden öffnet?
00:02:08: Sie warteten darauf dass der Tag anfängt.
00:02:11: Dass jemand guten Morgen sagt.
00:02:14: Dass sie irgendwo sein können ohne allein in ihrer Wohnung zu sitzen und im Kühlschrank beim Brummen zuzuhören.
00:02:22: Das ist so für viele von uns.
00:02:25: Manchmal warten wir vor Türen, weil hinter ihnen was liegt das wir brauchen oder glauben zu brauchen.
00:02:32: Und manchmal warten wir von Tüern, weil wir einfach nicht wissen wohin wir sonst gehen sollten.
00:02:38: Das ist ein Nicht unwichtiger Unterschied.
00:02:42: Ich weiß ich habe in meinem Leben lange vor Tören gestanden Vor denen von denen ich überzeugt war Wenn dieser eine aufgeht dann wird alles gut Die Tür zu einem Menschen Zu einer Anerkennung oder zu irgendeiner Version meines Lebens, die in meinem Kopf schon vollständig eingerichtet war.
00:03:05: Die Couch stand, die Bilder hingen, die passende Musik lief... Ich musste eigentlich wirklich nur noch hineingehen!
00:03:12: Habe ich so auch Gott immer wieder erzählt?
00:03:15: Aber die Tür blieb zu und ich tat was Menschen tun wenn sie sich nicht eingestehen wollen dass eine Tür zu ist und bleibt.
00:03:26: dann auch mit eloquenten und absolut logischen Begründungen.
00:03:30: Warum das nur Sinn macht?
00:03:32: Ich erklärte mich, ich strengte mich an, wurde freundlicher, klüger noch verständnisvoller.
00:03:39: Ich versuchte genau die Person zu werden für die man diese Tür doch wohl öffnen müsste.
00:03:45: Nichts!
00:03:47: Dass perfide angeschlossenen Türen ist.
00:03:49: irgendwann willst du nicht mehr nur hindurch Du willst dass sie aufgeht damit bewiesen ist Du richtig bist, dass du liebenswert bist und dass du dich nicht geirrt hast.
00:04:02: Und dann steht da diese Tür einfach nur Holz, Metall, Klinke Schloss aber in deinem Kopf wird sie zum letzten Urteil über dein ganzes Leben.
00:04:14: Katy Perry singten ihrem Lead Firework sinngemäß das vielleicht alle Türen zu sind damit du eine öffnen kannst die Dich auf den richtigen Weg führt.
00:04:24: Da möchte ich bisschen brechen.
00:04:26: Niemand in dieser Situation möchte das hören.
00:04:29: Ich möchte es nicht mehr auf einer Tasse lesen, dass viel zu sauber.
00:04:33: Wenn eine Tür vor dir zufällt während dein Herz noch halb drin hängt dann denkst du selten ach kein Thema!
00:04:40: Dann wird Gott wohl gerade meine Route optimieren.
00:04:44: Du denkst eher so ein verzweifeltes Aufmachen.
00:04:47: bitte nur dieses einmal.
00:04:52: Das ist der eigentlich schmerzgeschlossene Tür.
00:04:55: Nicht dass wir nicht hineinkommen, sondern das wir uns irgendwann fühlen als wären wir draußen vergessen worden.
00:05:02: Als hätten wir uns schon wieder zum Idioten gemacht.
00:05:05: Dabei laufen sogar in der Bibel Menschen gegen verschlossene Wege – obwohl ihre Absichten gut sind!
00:05:12: Das Wichtige ist dieser Gedanke.
00:05:15: Ein Nein ist nicht automatisch Gottes Abwesenheit.
00:05:20: Kennst du diese Sehnsucht nach einem letzten Versuch?
00:05:23: Dieses einmal schreibe ich noch….
00:05:26: Einmal erkläre ich es jetzt noch verständlicher, vielleicht wenn ich noch deutlicher zeige was ich kann und was ich fühle und anzubieten habe.
00:05:35: Und wenn's dann nicht klappt ist das auch okay für mich.
00:05:38: Wirklich.
00:05:39: Ehrenwort!
00:05:41: Und drei Tage später stehen wir wieder vor derselben Tür mit dem neuen Argument in der Hand und dem Selbstwert irgendwo im Rucksack.
00:05:50: Das ist ja das Gemeine – wir klopfen irgendwann nicht mehr weil wir den Raum dahinter brauchen.
00:05:56: Wir klopften, weil wir von der Tür einen Urteil verlangen.
00:06:00: Sie soll aufgehen und damit sagen Du bist wichtig!
00:06:04: Du bist liebenswert Und du hast dich nicht lächerlich gemacht – all die Zeit war ich im sonst.
00:06:12: Aber Türen sprechen nicht Menschen manchmal auch nicht.
00:06:17: Institutionen schicken automatisierte Absagen Beziehungen versanden in zwei grauen Häkchen Und das Leben hält sich leider nicht an die Regel, dass ehrliches Bemühen immer mit einem würdigen Schlussgespräch belohnt wird.
00:06:34: Manche Türen bleiben einfach zu – ohne Erklärung!
00:06:38: Ohne diesen Moment in dem der andere endlich erkennt was er an uns hatte, während im Hintergrund Beyoncé einsetzt und sogar den Briefkasten betroffen schaut….
00:06:49: tja hättste mal damals zugeschlagen jetzt ist rum Und dann kommt zur Trauer noch die Scham.
00:06:57: Die Scham, solange gewartet zu haben – zu oft zurückgegangen zu sein.
00:07:03: Zu viel Hoffnung in eine Klinke investiert zu haben, die sich ehrlicherweise kein Millimeter bewegt hat.
00:07:10: Ich glaube wir sollten sanfter mit der Version von uns umgehen, die da stand.
00:07:15: Die war nicht dumm!
00:07:17: Die war hoffnungsvoll und die hatten ich deshalb gewartet weil sie keinen Stolz hatte.
00:07:23: Die hat gewartet, weil hinter dieser Tür was lag das ihr kostbar war.
00:07:28: Liebe vielleicht?
00:07:30: Zugehörigkeit und Sicherheit.
00:07:33: Man muss die erste Tür nicht schlecht reden um sich von ihr zu lösen.
00:07:37: Das ist mir wichtig.
00:07:39: Nicht jede Beziehung die endet war sowieso ein Erdturm Und nicht jede Firma die uns nicht nimmt wäre eine Katastrophe gewesen.
00:07:48: Manchmal wär es schön gewesen... ...und manches fehlt.
00:07:52: Es tut noch weh, obwohl wir längst verstanden haben dass es nie anders gewesen sein wird.
00:07:59: Dieser Satz von Katy Perry ist deshalb schön und ein bisschen gefährlich zugleich.
00:08:04: Vielleicht sind wirklich alle Türen geschlossen damit wir eine öffnen können die uns auf den richtigen Weg führt.
00:08:12: aber ich möchte daraus kein geistliches Escape Room Spiel machen bei dem Gott irgendwo hinter so einer Wand setzt und denkt mal sehen wann er endlich den richten Hinweis findet.
00:08:23: Gott spielt nicht mit unserer Orientierungslosigkeit und er braucht keine verschlossene Tür, um uns zu erziehen.
00:08:31: Ich glaube nicht, dass jeder Verlust absichtlich vor uns aufgebaut wurde damit wir später eine hübsche Lektion daraus ziehen.
00:08:39: aber ich glaube das Gott sich von einer verschlossenen Tür nicht aussperren lässt!
00:08:46: Das ist für mich der entscheidende Gedanke.
00:08:49: Gott es nicht nur in dem Raum, in den ich unbedingt hinein wollte.
00:08:54: Der ist nicht an die Zusage eines Menschen gebunden, nicht einen Arbeitsvertrag oder eine bestimmte Zukunftsversion.
00:09:02: Er sitzt nicht hinter der geschlossenen Tür und wartet ob ich mich genug anstrenge.
00:09:08: Vielleicht steht er die ganze Zeit neben dir ohne Ersatzplaner auf Hochglanzpapier.
00:09:14: Er mit dieser leisen Gegenwart, die erst fast ärgerlich unspektakulär ist – ohne Lichtstrahle und kein Chor!
00:09:23: Nur ein Gedanke der sich langsam in uns schiebt.
00:09:27: Du musst hier nicht sterben, du darfst gehen!
00:09:31: Du darfst die Hand von der Klinge nehmen selbst wenn sie zittert.
00:09:35: Du darf aufhören dein ganzes Leben in den Spalt unter einer Tür zu schieben durch den nie eine Antwort zurückkommt.
00:09:43: stattdessen kannst du einen Schritt zurücktreten feststellen dass es hinter dir noch mehr Raum gibt.
00:09:50: Die zweite Tür ist oft weniger beeindruckend weil sie nicht die erste ist.
00:09:55: Ina Müller hat mal gesungen, ich rechne immer noch in Mark um und dabei erzählt sie von ihrem Exfreund.
00:10:03: Der hätte jetzt die Tür aufgehalten – und auch sonst alles besser gemacht als Jens.
00:10:10: Aber so ist es eben!
00:10:12: Das ist wahrscheinlich der Grund warum wir diese zweite Tür solange übersehen.
00:10:17: Sie sieht nicht aus wie die große Entschädigung Die verspricht alles wieder gut zu machen.
00:10:23: Sie isst vielleicht nur ein Anruf den wir beinahe wegdrücken Eine Einladung, zu der wir keine Lust haben.
00:10:29: Da kann ich auch echt ein Lied von singen.
00:10:32: Einen Gespräch mit jemandem, den wir bisher nur flüchtig kannten.
00:10:37: Manchmal ist die zweite Tür auch gar kein neuer Mensch oder neuer Job.
00:10:42: Manchmal ist ihr einen Morgen an dem wir zum ersten Mal nicht mehr als erstes nachsehen ob die alte Tür sich vielleicht doch noch geöffnet hat.
00:10:51: Das klingt klein Aber Heilung ist oft klein.
00:10:56: Sie kommt ohne Trompeten Sie räumt erst mal nur die Schuhe aus dem Flur.
00:11:02: Sie löscht den alten Chat nicht unbedingt, aber sie hört auf ihn täglich zu öffnen.
00:11:07: Die Witte nicht sagen es war alles gut so.
00:11:10: Aber sie sagt dir das was wahr?
00:11:13: War nicht alles?
00:11:15: Dein Leben war da noch nicht vorbei!
00:11:18: Vielleicht habe ich deswegen diese älteren Menschen vom Chippo nie ganz vergessen.
00:11:23: Damals habe ich nur eine Gruppe gesehen, die vollkommen grundlos vor einem geschlossenen Laden
00:11:28: stand.".
00:11:29: Heute sehe ich was anderes.
00:11:32: Sie wussten hinter welcher Tür an diesem Morgen ein Tisch stand, keine neue Welt, Kaffee, Kuchen und Stuhl, ein paar bekannte Gesichter.
00:11:43: Jemand der sagt ach da sind sie ja!
00:11:47: Das ist manchmal die zweite Tür unspektakulär und auch hier stimmt nicht alles.
00:11:54: nur eine Tür hinter der jemand einen Stuhlvrei hält einen Kaffe bestellt Dein Namen kennt, und während du noch glaubst dein Leben sei vor der ersten Tür stehen geblieben hat es anderswo längst einen Tisch für dich gedeckt.
00:12:10: Die erste Tür muss nicht schlecht gewesen sein.
00:12:14: Ihr Verschlossensein muss auch nicht schön gerätet werden aber sie darf aufhören die einzige Tür deines Lebens zu sein.
00:12:23: Ich glaube Gottes oft ein Gott.
00:12:24: der zweiten Tür der dir nicht erklärt warum die Erste geschlossen blieb.
00:12:30: Eher einer, der dich davor nicht alleine sitzen lässt.
00:12:33: Einer, der deine wundgeklopfte Hand nimmt und sie nicht nochmal gegen das Holz führt.
00:12:39: Und irgendwann wenn du dich umdrehst dann siehst Du sie.
00:12:44: Die zweite Tür Nicht weit weg!
00:12:47: Nicht golden Einfach nur weitaffen.