Predigtbruch

Predigtbruch

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00:00:00: Bevor die Folge heute losgeht, ein kleiner Hinweis für die, die lieber lesen als hören gibt's Predigtbruch jetzt auch als Buch über allem Handel.

00:00:09: Kennst du den Satz?

00:00:11: Ich erkenne dich überhaupt nicht wieder!

00:00:13: Das sagen Menschen, die eine alte Version von dir kennen bzw haben sie die gespeichert weil die kooperativer war.

00:00:22: Eine, die sich schneller entschuldigt hat als andere nachdenken konnten.

00:00:26: Eine die sich klein gemacht hat damit es im Raum nicht knallt.

00:00:30: Weißt du so jemand, der gelacht hat?

00:00:32: Wenn er eigentlich hätte sagen müssen – das hat weh getan.

00:00:36: Die Version von dir die noch nicht wusste Das Bedürftigkeit einen in Vertrell getreibt, die man später kaum glauben kann.

00:00:45: Und dann wächst Du Nicht spektakulär und mit Feuerwerk Nebelmaschine und Engelskohr im Gegenlicht Eher mühsam In kleinen Schritten, die schwer sind.

00:00:57: Du lernst Nein zu sagen, ohne danach drei Tage im inneren Ausschuss für soziale Verträglichkeit zu tagen.

00:01:05: Du larnst Grenzen zu haben, ohne dich dafür zu entschuldigen dass andere jetzt nicht mehr so bequem über dich hinwegsteigen können.

00:01:13: Du Lernst das Frieden nicht immer bedeutet dass alle zufrieden sind.

00:01:17: Manchmal bedeutet Frieden nur ich verrate mich heute nicht.

00:01:22: und genau dann tauchen sie auf die Leute die uns klein kennen.

00:01:27: Sie sagen, du bist so anders geworden.

00:01:31: Und man hört darunter, also früher warst du einfacher.

00:01:34: Sie sagen mit dir kann man gar nicht mehr reden und man hört herunter Du widersprichsten zwischen.

00:01:42: sie sagen du bist aber empfindlich geworden und man möchte antworten nein Schatz ich bin nicht empfindlicht geworden Ich bin nur nicht mehr betäubt.

00:01:52: Manche Menschen vermissen nicht dich Sie vermissen die Macht die sie über deine alte Version hatten.

00:01:59: Als ich in die fünfte Klasse kam, kannte ich auf der neuen Schule genau einen einzigen anderen Schüler.

00:02:05: Niemand sonst aus meiner Grundschule war mit auf dieses Gymnasium gegangen.

00:02:11: Mein bester Freund aus der Kindheit ging auf die Hauptschule im anderen Ort.

00:02:15: und wie das manchmal so ist wenn Kinderwege sich trennen dann driften wir nicht langsam auseinander.

00:02:21: Wir wurden eher auseinander gerissen von Stundenplänen, Schulhöfen, neuen Coats und neuen Leuten.

00:02:29: Ich suchte damals einen besten Freund wie ein ertrinkender, ein Stück Holzsucht.

00:02:34: Nicht aus Luxus, aus Überleben!

00:02:37: Jemandem mit dem man morgens ankommen konnte.

00:02:40: Jemanden neben dem man in der Pause nicht aussah, wie so'n falsch abgestellter Regenschirm.

00:02:47: Jiemande beweist – ich gehöre nicht ganz alleine, nicht hin.

00:02:53: Dann kam mein neuer Schülern unserer Klasse Der Sohn der örtlichen Pfarrerin halblange Haare, heavy metal sofort dieser unerreichbare Glanz von cool.

00:03:04: Und ich tat was man tut wenn man einsam ist und noch nicht weiß dass Einsamkeit einen manchmal sehr schlechte Preise zahlen lässt.

00:03:13: Ich rief morgens an immer wieder ob wir ihn mit zur Schule nehmen könnten Wenn meine Mutter mich hinfuhr.

00:03:20: Ich suchte in meinem Zimmer nach kleinen Geschenken, fast panisch als müsste ich jeden Tag eine Eintrittskarte lösen um wieder in seiner Gunst zu stehen.

00:03:44: Und dann sagt er vor allen, du könntest dir die Haare eigentlich mal mit Pril waschen.

00:03:55: Das fettlösend und ich habe mitgelacht.

00:03:58: Natürlich hab' ich mit gelacht.

00:04:01: Kinder lachen manchmal nicht weil es lustig ist.

00:04:04: Sie lachen weil sie hoffen dass der Schmerz dadurch nicht auffällt.

00:04:08: Sie lachen weil Lachen die letzte Tarnkappe isst Die einem bleibt wenn man gerade vor allen ausgezogen wurde.

00:04:16: Auf dem Heimweg versteckte ich mich im Gebüsch vor unserem Haus, damit niemand meine rot geweinten Augen sehen würde.

00:04:23: Und was würde ich als Erwachsener gerne dabei souverän klingen wenn ich das erzähle?

00:04:27: Abgeklärt ganz drüber hinweg!

00:04:30: Aber manche Demütigungen haben eine erstaunliche Haltbarkeit – sie kleben an dir.

00:04:36: Sie liegen nicht einfach in der Vergangenheit, sie liegen INDIA wie kleine Glassplitter die bei bestimmten Bewegungen wieder Licht fangen.

00:04:46: Jahre später habe ich meine ersten Studieaufnahmen gemacht.

00:04:50: Eine erste CD, nichts Weltbewegendes vielleicht.

00:04:54: für mich war es Stimme und Ausdruck ein Stück von mir das nicht mehr im Gebüsch saß Und dann kam auf Facebook eine Nachricht von ihm Hi kennst du mich noch?

00:05:06: Du hast ein Album rausgebracht.

00:05:08: wow erzähl mal!

00:05:10: Ich starte auf diese Nachricht und in mir entstanden ungefähr siebzig mögliche Antworten Und neunundsechzig davon werde ich ihn nicht wiederholen.

00:05:21: Die eine andere begann mit Ja, Ich weiß noch wer du bist und Du hast ein großes Stück meiner Jugend- und essenzielle Teile meiner Bindungsfähigkeit zerstört.

00:05:32: Eine andere Bestand aus zwei Worten Das erste fing mit F an und das zweite hieß Dich.

00:05:38: Und zwar nicht, weil ich so erhaben war oder weil ich plötzlich im inneren Klosterhof meiner Seele wandelte während TC-Klänge über Labendelfelder schwebten.

00:05:51: Sondern weil ich irgendwann dachte du bist mir nicht mal mehr eine Antwort wert und es klingt befriedigend – war's überhaupt nicht!

00:06:01: Weil es eigentlich das gleiche Motiv ist.

00:06:03: Liebesentzug tut mehr weh als jede Kränkung, mehr als jede Verletzung und Gott wollte ich den

00:06:10: verletzen.".

00:06:12: Das war kein großer Kinomoment, in dem die Kamera langsam wegfährt und der Held endlich frei ist.

00:06:18: Es war klein, müde, ätzend – und es fühlte sich so zu wenig an!

00:06:26: Aber man muss ja moralisch sauber agieren, christlicher Kompass und so.

00:06:32: Manchmal ist moralische Integrität nicht erhebend.

00:06:36: Manchmal ist hier einfach die Entscheidung nicht nochmal in dieselbe Arena zu steigen nur weil jemand Jahre später freundlich winkt.

00:06:46: Ich glaube, das ist die schwerste Form von Freiheit – nicht zurückzuschlagen aber auch nicht wieder verfügbar zu werden!

00:06:53: Denn es gibt Menschen, die möchten Zugang zu deiner Gegenwart ohne Verantwortung für das zu übernehmen was sie in der Vergangenheit angerichtet haben.

00:07:03: Sie schreiben «Kennst du mich noch?» und merken nicht dass die eigentliche Antwort lauten müsste Weißt du, was du damals mit mir gemacht hast?

00:07:14: Ich glaube deshalb trifft mich die Geschichte von Jesus vor Nazareth manchmal auf genau so einer Ebene.

00:07:20: Jesus kommt in seine Heimat, er lehrt, er spricht!

00:07:24: Da ist etwas in ihm das größer geworden ist als die Erinnerungen der Leute und zuerst staunen sie.

00:07:31: Für einen Moment könnte man denken jetzt sehen Sie ihn, jetzt hören Sie ihn aber dann kippt es.

00:07:38: Ist das nicht Josef's

00:07:39: Sohn?!

00:07:41: Klingt erst mal harmlos.

00:07:42: Ist es nicht?

00:07:44: Es ist die alte Etikettiermaschine, ein Satz der einen Menschen zurücksortiert – zurück in die Herkunft!

00:07:51: In Bekanntheit, zurück in das was man schon über ihn zu wissen meint.

00:07:56: Die Leute in Nazareth hören nicht mehr was Jesus sagt.

00:07:59: Sie hören nur noch wen sie glauben vor sich zu haben.

00:08:03: Das ist der religiöse Provinzreflex.

00:08:06: Was wir einmal eingeordnet haben darf nicht größer werden.

00:08:11: Nazareth ist deswegen nicht nur ein Ort.

00:08:14: Nazareth is'n Blick, der blickt.

00:08:16: er sagt ich weiß schon wer du bist.

00:08:19: Der nich fragt was aus dir geworden iß sondern bestätigt sehen will wat sehr über dich gespeichert hat.

00:08:26: Der blickt der menschenlich erkennt sondern aus dem Archiv lädt und ich find es bemerkenswert was Jesus nicht tut.

00:08:34: Er bleibt nicht da um seine Entwicklung zu erklären Er hält keinen Vortrag mit dem Titel, meine persönliche und messianische Reifung seit der Kindheit.

00:09:08: ohne beleidigt zu sein.

00:09:10: Nicht trotzig, mit erhobenen Mittelfinger auch wenn der innere Liturg das vielleicht kurz vorgeschlagen hat.

00:09:17: Klar!

00:09:19: Würdig und wirklich frei.

00:09:22: Wir verwechseln Christlichkeit manchmal mit permanente Erreichbarkeit.

00:09:27: Als müsse Vergebung bedeuten dass jeder wieder Zugang bekommt.

00:09:31: als müsse Gnade heißen dass ich nochmal die selbe Rolle spiele damit der andere sich nicht mit seiner Schuld beschäftigen muss So, als sei Versöhnung nur offene Tür für Menschen die nie geklopft sondern früher einfach eingetreten sind.

00:09:47: Aber Jesus zeigt was anderes.

00:09:50: Liebe bedeutet nicht sich dauerhaft den Blick anderer auszusetzen dir einen nur in klein ertragen.

00:09:57: Vergebung ist keine Einladung zur Wiederholung und beim Herzlichkeit es nicht dasselbe wie selbst Aufgabe mit frommen Schleifchen.

00:10:06: Du musst nicht jeden wieder reinlassen Nur weil er irgendwann freundlicher kloppt Und du musst nicht antworten, nur weil jemand eine harmlose Version eurer Geschichte bevorzugt.

00:10:18: Du!

00:10:19: So wie du bist heute.

00:10:22: Du musst nicht in die fünfte Klasse zurück.

00:10:24: Nur weil einer von damals plötzlich neugierig ist wer du geworden bist.

00:10:29: und ja das fühlt sich manchmal nicht herrlich an.

00:10:32: Manchmal fehlt der Applaus, die Genugtuung und irgendwie auch die saubere Gerechtigkeit und dann sitzt du einfach vor ner unbeantworteten Nachricht.

00:10:42: Ich bin immer noch nicht ganz unverwundbar, aber ich bin auch nicht mehr käuflich für ein bisschen Aufmerksamkeit.

00:10:50: Das Wachstum ist zum Kotzen, aber es ist Wachstem.

00:10:54: Nicht dass nichts mehr weh tut!

00:10:57: Aber der Schmerz ist nicht mehr automatisch da um deiner alten Knie zu beugen.

00:11:03: und das heißt nicht, dass du keine Wut mehr hast.

00:11:06: Aber die Wut hat nicht mehr die Hand am Steuer – das bedeutet nicht, Aber dass du entscheiden darfst, wer Zugang zu den Menschen bekommt, der du geworden bist.

00:11:21: Du bist dein eigener Türsteher!

00:11:25: Vielleicht gibt es Menschen die dich nur dann wieder erkennen wenn du dich klein genug machst um in ihre Geschichte zu passen?

00:11:32: Weißt du so Menschen wie deine Grenze für Kälte halten weil sie früher von deiner Grenzlosigkeit profitiert haben?

00:11:40: Die deine Haltung als Hochmut lesen weil deine Wunde ihnen vertrauter war als deine Stimme?

00:11:46: Gott ist kein Speicher deiner alten Scham.

00:11:50: Er ruft dich nicht bei deinem Namen, mit dem andere dich klein gehalten haben.

00:11:54: Er rufe dich bei dem Namen in den du hineinwachsen darfst.

00:11:58: Der steht nicht neben den Leuten von Nazareth und blätterten alten Bildern.

00:12:03: Er ist daran einfach nicht interessiert, dich auf die bequemste Version deiner Vergangenheit zurückzustutzen.

00:12:10: Gott ist der Zeuge deiner Zukunft!

00:12:13: Und darum darf es zu gehen aus alten Rollen, aus alten Dynamiken, aus Gesprächen, in denen du dich nur noch erklärst und trotzdem nie ankommst.

00:12:24: Aus Beziehungen, in denen man dich nicht vermisst sondern nur deine frühere Funktionen.

00:12:30: Du darfst gehen ohne alles aus zu diskutieren Ohne dramatische Abschiedszene Ohne letzte Nachricht die endlich alles auf den Punkt bringt und dann natürlich viral geht weil sogar der Algorithmus weint.

00:12:45: Manchmal ist die stärkste Antwort keine Antwort Und die würdigste Predigt ein geschlossenes Chatfenster.

00:12:52: Und manchmal ist das Evangelium nicht, dass alle dich endlich verstehen.

00:12:58: Sondern dass du aufhörst dich von denen definieren zu lassen die dich nie wirklich sehen wollten!

00:13:05: Manche Menschen kennen nur wo du herkommst aber Gott kennt wo du hingehst und wer du warst und bist und sein wirst und er liebt dich durch alles das hindurch.