Predigtbruch

Predigtbruch

Transkript

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00:00:00: Es gibt Menschen, denen laufen wir nicht zufällig ins Messer.

00:00:03: Wir kennen den Weg – wir könnten hier mit verbundenen Augen gehen was auch praktisch ist weil wir beim dritten Mal ohnehin nicht mehr hinsehen wollen.

00:00:12: Da ist die selbe Straße, dieselbe Tür der selbe Tonfall dieses winzige freundliche Signal kaum größer als ein Teelicht im Orkan.

00:00:22: und plötzlich denken wir ah diesmal wird es anders.

00:00:28: Diesmal hat er es wirklich verstanden.

00:00:31: Diesmal meint er's wirklich!

00:00:33: Das ist bestimmt nur meine Angst vor Nähe und diesmal is' es nicht das Messer, sondern wirklich Blumen.

00:00:41: Man muss zugeben wir sind beeindruckend kreativ wenn es darum geht Warnzeichen in Hoffnung umzudeuten.

00:00:48: Du sagst wie schlechtes dir geht Und bekommst als Antworten schweigen Aber du denkst Ah der ist bestimmt einfach nur überfordert und er kann das einfach gerade nicht.

00:00:59: Da fallen Sätze wie, ich kann mit dir nicht zusammen sein.

00:01:02: Also wenigstens jetzt nicht und das ist ein fieser Trick Tür zu und dann wieder einen kleinen Spalt auf.

00:01:12: Wir machen aus drei netten Nachrichten eine Charakterstudie Und auch so einem halben Lächeln schon die Auferstehung.

00:01:19: Das ist nicht einfach.

00:01:21: Dummheit Denkt man ja gerne von sich selbst.

00:01:24: Es ist noch nicht nur Naivität mit WLAN Anschluss.

00:01:28: Das ist oft was viel würdigeres.

00:01:30: und genau deshalb, es so gefährlich.

00:01:33: Weil's Hoffnung ist!

00:01:35: Der ehrliche Wunsch dass das gut sein könnte.

00:01:39: Dass ein Mensch der uns weh getan hat nicht nur der Mensch isst er uns wehe getan hat.

00:01:44: Dass unter der Härte noch was Weiches liegt Und unter dem Messer liegt vielleicht doch ne Hand Die Zittert die eigentlich berühren wollte.

00:01:53: Wir laufen ins Messer weil wir glauben wollen Weil wir gemocht werden wollen, weil wir nicht immer die Person sein wollen, die aufgibt.

00:02:02: Wir hängen ja nicht nur an bestimmten Menschen – ich glaub tatsächlich dass die meisten von uns nur mit Rollen besetzt werden, die uns fehlen und wenn sie dann vom Skript abweichen, hm ist schlicht!

00:02:15: Wir hengen an Versionen von Menschen, die vielleicht mal echt waren, vielleicht aber auch unsere Sehnsucht in gutem Licht…mit Filter.

00:02:24: Das heimtückische daran ist aber, je öfter es dir wehgetan hat, desto mehr steht auf dem Spiel.

00:02:31: Dann verteidigen wir nicht mehr nur den anderen!

00:02:34: Wir verteidig'n unsere eigene Geschichte, unsere Geduld – die Liebe und das Bleiben.

00:02:40: Wir wollen nicht dass all das lächerlich war, nur ein Witz.

00:02:44: Und so blöd kann man ja echt nicht sein und sich das alles nur eingebildet haben.

00:02:49: Also sammeln wir Beweise….

00:02:51: Wie ein sehr engagierter Verteidiger im Prozess gegen die Realität.

00:02:56: So was wie, aber gestern war er nett und der kann ja auch anders.

00:03:02: Und Toaster kann auch glühen ist aber trotzdem keine Heizung.

00:03:07: Manchmal stehen wir vor Menschen wie von einem Pferd und wir sind wütend dass es nicht bellt.

00:03:12: dabei liegt das einfach nicht in deren Natur oder Art.

00:03:17: Wenn du jemanden möchtest, der dich lauthals wertschätzt und eigeninitiativ weiß wann er dich loben soll.

00:03:24: Dann muss das aus ihm selbst herauskommen.

00:03:27: Aber die Frustration darüber warum dieses Pferd einfach nicht bellt wird sich niemals auflösen.

00:03:33: Die Frage ist nicht Warum benimmt er sich wegen Clown?

00:03:36: Die richtige frage ist warum kaufst Du immer noch Karten für den Zirkus?

00:03:41: Das klingt gemein Es aber eigentlich entlastend.

00:03:44: Nicht jeder, der uns enttäuscht ist ein Monster.

00:03:48: Manche Menschen sind schlicht nicht die Menschen, die wir aus ihnen machen wollen.

00:03:53: Maniche können Freundlichkeit aber keine Verlässlichkeit.

00:03:57: Nähe aber nur in homöopathischer Dosierung.

00:04:00: Reue als Momentaufnahme!

00:04:03: Aber nicht als Grund zur Veränderung und wir stehen daneben und hoffen das aus Potenzial endlich.

00:04:09: Persönlichkeit wird also die Persönlichkeit, die ich möchte.

00:04:14: So läuft das aber mit echten Menschen nicht.

00:04:17: Und es musst du dir irgendwann eingestehen!

00:04:20: Du wirst vermutlich nicht die Person haben, die du dir hundert Prozent genauso wünschst.

00:04:27: Aber willst du die Personen, die dich hast?

00:04:30: Nicht die Version aus deiner Hoffnung – diesen Menschen.

00:04:34: Mit dem was er tatsächlich tut, mit dem was sie lässt und mit dem Muster dass nicht Ausrutscher heißt sondern Handschrift.

00:04:42: Wenn die Antwort nein ist, ist das nicht lieblos….

00:04:46: Es ist vielleicht der erste nüchterne Satz nach langer Selbsthypnose.

00:04:51: Liebe beginnt nicht damit, einen Menschen so lange falsch zu beschreiben bis er in meine Sehnsucht passt.

00:04:58: Sie beginnt damit ihn wirklich zu sehen und dann zu prüfen ob ich bleiben kann.

00:05:04: Da wäre jetzt eine super glatte Jesus-Lösung.

00:05:07: mega Gibt es leider nicht.

00:05:09: Der macht überhaupt selten glatt.

00:05:11: Was aber super geht ist kompliziert.

00:05:15: Jesus ist ja leider der Meister darin, unsere schönsten Ausreden mit einem einzigen Satz abzubrennen.

00:05:22: Dann sagt er so hässliche Sachen wie «Halt die andere Wange hin!» «Sebzig mal sieben Mal vergeben oder feindes Liebe».

00:05:31: Und es klingt ein bisschen als hätte der Himmeln persönliches Abo auf Selbstaufgabe abgeschlossen und fromme Menschen haben diese Sätze leider oft benutzt, wie ein Teppichklopfer.

00:05:42: Stell dich nicht an, ach vergib halt… Sei doch größer.

00:05:47: oder mein persönliches Highlight, man muss das nicht alles immer gleich so persönlich nehmen.

00:05:54: Wie denn sonst?

00:05:55: Meintest du die Beleidigung objektiv oder was?

00:05:59: Dabei fordert Jesus keine Formel Selbstzerstörung!

00:06:02: Die andere Wange hinzuhalten ist keine Einladung den eigenen Hals offen zu legen.

00:06:08: Es ist ein Akt der Würde, zu sagen ich schlag nicht zurück und ich werd' nicht wie

00:06:14: Du.".

00:06:15: Ich lass mich von Deiner Gewalt nicht in Deine Sprache zwingen.

00:06:19: Aber nirgendwo sagt Jesus, wischt das Blut von der Klinge, gibt ihm das Messer wieder in die Hand und nenne es Gnade!

00:06:27: Vergebung heißt nicht im anderen freien Zugang zu denselben offenen Stellen zu geben.

00:06:33: Vergebungen heißt ich lasse nicht zu dass diese Verletzung meine Seele regiert.

00:06:38: Ich kann trotzdem Grenzen setzen Und das heisst.

00:06:41: ich lasso auch nicht zu, dass du diese Angriffe wiederholst Nur weil ich nicht hassen will.

00:06:47: Man kann auch ohne Rache gehen, ohne Bitterkeit und ohne innerlich ein Rachefeldzug mit PowerPoint zu planen – wobei ich dafür Tipps auch noch offen wäre!

00:06:59: Man kann sagen «Ich wünsch dir Frieden», aber nicht mehr auf meine Kosten.

00:07:04: Ich glaube das ist die erwachsene Form von Vergebung.

00:07:08: Diesen Schuldschein aus der Hand legen, aber nicht automatisch den Haustürschlüssel gleich zurückgeben.

00:07:16: Und die trotzdem nicht mehr vertrauen.

00:07:19: Ich kann dir verzeihen und dich trotzdem blockieren!

00:07:22: Ist das schön?

00:07:24: Vermutlich nicht, aber das Evangelium ist keine Hotline für emotionale Fahrlässigkeit.

00:07:31: Grenzen sind keine Mauern gegen Liebe – diesen Geländer gegen den Absturz.

00:07:37: Eine Grenze sagt ja nicht du bist mir egal.

00:07:40: Sie sagt was zwischen uns geschieht darf nicht weiter so tun als hätte es keine Folgen.

00:07:47: Bis hierher.

00:07:49: Weil mein Herz kein all-inclusive Ressort für fremde Unreife ist Und ja, das tut weh!

00:07:56: Weil Grenzen auch Fantasien begraben.

00:07:59: Sie beenden nicht nur Kontakt sondern auch Möglichkeiten Den Traum dass es doch noch wird Dass endlich die Entschuldigung kommt Die wirklich so gemeint ist Oder überhaupt mal eine?

00:08:11: Vielleicht auch dass der Mensch den wir lieben Plötzlich der Mensch wird den wir bräuchten.

00:08:16: Aber manchmal ist er Lösung nicht, dass es fährt Bild.

00:08:20: Manchmal ist Erlösung das wie die leere Leine loslassen.

00:08:24: Du darfst weich bleiben.

00:08:26: Das wichtig.

00:08:28: Zynismus is keine Haltung Das is nur ne Narbe mit schlechter Laune.

00:08:33: Und wer einmal ins Messer gelaufen Is muss nich ab jetzt Mit Stacheldraht um die Seele leben.

00:08:38: Es wäre ja traurig wenn ausgerechnet die Die verletzt wurden Am Ende auch noch die Fähigkeit verlieren zu hoffen.

00:08:45: Hoffnung ist nichts Lächerliches.

00:08:48: Sie ist einer der schönsten Beweise dafür, dass wir noch nicht innerlich möbliert sind wie eine Kaserne – aber Hoffnung braucht Augen!

00:08:57: Hoffnung ohne Wirklichkeitssinn wird zur Selbstverletzung mit Engels flügeln.

00:09:03: Nicht jede Freundlichkeit ist ein Zeichen von Umkehr und nicht jeder Funke ist ein Feuer an dem du bleiben musst.

00:09:10: Manchmal ist es einfach nur ein Funke, einer der auf trockenes Stroh fällt und dann solltest du nicht wieder dein ganzes Haus daneben stellen.

00:09:19: Ich finde es trotzdem wirklich wichtig, den kleinen Funken nicht zu verachten.

00:09:24: Schau ihn dir an!

00:09:25: Genießt das Flackern.

00:09:27: Es hat seinen Wert – es hat nur keinen Auftrag zur Regierungsbildung.

00:09:32: Ein Funke darf schön sein Er darf wärmen kurz Er darf zeigen dass nichts ganz tot ist Aber er darf nicht entscheiden ob wir wieder barfuß durch Glas scherben gehen.

00:09:44: dein Herz ist ein lebendiges schlagendes Ding.

00:09:47: Und lebendige Dinge brauchen Schutz, sie brauchen Luft, Abstand und gelegentlich eine sehr deutliche Tür von ihnen.

00:09:56: Messerläufer werden nicht dadurch frei dass sie hart werden.

00:10:00: Sie werden frei wenn sie ihr hoffen nicht länger gegen sich selbst richten Wenn sie lernen.

00:10:06: ich darf glauben das Menschen sich ändern können aber Ich muss nicht so leben als sei Veränderung schon passiert.

00:10:15: Aber ich muss nicht vergessen, wo die Klingel lag.

00:10:19: Und ich darf lieben und trotzdem gehen!

00:10:22: Du musst nicht beweisen das dein Herz Großes in dem du es immer wieder dort ablegst, wo es schlecht behandelt wird.

00:10:29: Größe zeigt sich nicht darin wie viel Schmerz du schluckst ohne zu wirken.

00:10:34: Größen zeigt sich manchmal darin den Raum zu verlassen bevor aus Hoffnung selbst verratwird.

00:10:40: Also geh wenn du gehen musst.

00:10:43: Nicht dramatisch nicht mit donnerndem Abspann und wehender Märtyrerflacke, obwohl ich das total verstehen könnte.

00:10:51: Geh klar!

00:10:53: Geh traurig wenn es traurich ist, geh weich wenn du weich bleiben kannst.

00:10:57: Gehe mit zitternden Knien aber geh.

00:11:01: Und wenn jemand fragt ob das noch christlich ist dann sagst du ja schade dass du es fragen musst.

00:11:08: man entscheidet es hier für sich selbst nicht wegen dem anderen.

00:11:14: Ich schlag nicht zurück Aber ich halte mein Leben nicht weiter in die Säge.

00:11:22: Vergebung heißt, ich lass los was mich vergiftet und Grenze heißt Ich gehe nicht zurück an den Ort, an dem ich verblute Und vielleicht ist die andere Wange hinhalten manchmal genau das Nicht zurückzuschlagen!

00:11:37: Nicht zu versteinern!

00:11:38: Nicht bitter zu werden sondern aufzustehen Den Staub von der Seele zu klopfen und zu sagen Ich wünsch dir Frieden aber ich geh jetzt Und dein Messer und die Schuldgefühle kannst du behalten.