00:00:00: Kalifornien war ganz lange mein großer Traum.
00:00:03: Wer einmal am Strand war und über den Pazifik geschaut hat, der kennt das vielleicht!
00:00:09: Da war Leichtigkeit Freiheit Der ewige Frühsommer Palmen und freundliche Menschen.
00:00:16: Ich hatte auch viele Jahre wenn wir da zu Besuch waren kein Handy dabei.
00:00:21: Diese Mobilfunk-Tarife waren so teuer und ehrlich gesagt wozu?
00:00:25: Und es war so frei Keine E-Mails, keine ständigen Nachrichten und Anrufe.
00:00:32: Kalifornien war immer mein Happy Place Der Ort an dem ich so oft dachte So solltest du eigentlich sein.
00:00:41: Das ist das echte Du.
00:00:43: Einmal habe ich die Brandung in Malibu gefilmt mit dem Handy.
00:00:46: Es war Sonnenuntergang Und dann hab' ich's mir abgespeichert unter Favoriten.
00:00:52: Und dazu habe ich mir im Kopf gesagt Wenn du sie wieder vergisst So fühlt sich glücklicher an.
00:01:00: Das hier ist die Wahrheit, das hier bist du.
00:01:04: Wir fahren nicht mehr nach Kalifornien.
00:01:06: also ich nicht.
00:01:08: Amerika hat sich so verändert und Ich kann mich so tun als wäre es eben einfach nur ein anderer Standpunkt andere Positionen Als wäre es eine Option zu sagen ja ich bin Einfach gegen mitgefühl weil ich wirklich gern reich bleiben möchte.
00:01:24: Sorry Mein amerika ist nicht mehr da.
00:01:28: Oder sollte ich eher sagen, Ich erkenne es nicht wieder.
00:01:32: Vielleicht hast du auch so einen Ort Wo du da stehst und merkst Das sieht alles noch vertraut aus.
00:01:39: Die Häuser stehen noch Der Himmel ist der gleiche Und trotzdem ist das ein Ort Den du nicht mehr erkennst.
00:01:46: Vielleicht eines der verstörendsten Gefühle überhaupt Wenn was nicht komplett verschwindet Sondern bleibt sich verändert Und dir gerade dadurch fremd wird.
00:01:57: Ein Gesicht, das du kennst und dass dich trotzdem nicht mehr ansieht.
00:02:02: Ein Haus in dem noch dieselben Möbel stehen Und in dem trotzdem niemand mir richtig wohnt Wenigstens du nicht mehr Oder ein Mensch der immer noch dieselbe Worte benutzt Und in denen plötzlich keine Wärme mehr ist.
00:02:16: Man kann in vertrauten Räumen sehr heimatlos werden Und wenn ich ganz ehrlich bin Geht's mir in unserer Landeskirche gerade so Und ich glaube, darum geht es viel öfter im Glauben als wir denken.
00:02:31: Nicht zuerst um die große Frage glaubst du noch?
00:02:34: Sondern um diese leisere traurigere, existenziellere Wo bist Du eigentlich Zuhause und was ist wenn der Ort, der mal Heimat war sich nicht mehr wie Heimat anfühlt?
00:02:47: Das fiel mir ein Als Ich das Buch Gott und Die Welt von Marie-Louise Kaschnitz gelesen habe.
00:02:53: Es heißt Gott UND DIE WELT!
00:02:55: Nicht Gott statt der Welt hoch über der Welt oder Gott als Notausgang der Welt, sondern Gott und die Welt.
00:03:04: Die ganze!
00:03:06: Also Gott und der Lärm, Gott und Der Beton, Gott Und die Müdigkeit, Gott & die Innenräume in denen man sich selbst nicht mehr richtig auskennt.
00:03:16: Marie-Louise Kaschnitz schaut nicht romantisch auf die Wirklichkeit Sie legt keinen vom Weichzeichnerfilter über das Leben.
00:03:24: sie schaut wirklich ganz genau hin Auf eine Stadt im Wandel, auf Verlust und Bedrohung.
00:03:31: Auf das was kippt und nicht mehr sicher ist Und auch schonungslos auf die seltsame Erfahrung dass die Welt noch dieselbe Adresse hat... ...und sich doch nicht mehr bewohnen lässt.
00:03:43: Ich glaube viele von uns kennen das.
00:03:45: ich kenn' das Vielleicht nicht nur in Bezug auf Kirche vielleicht auch in Beziehungen In deinem Job vielleicht sogar in deinem eigenen Körper Als hätte jemand die Wirklichkeit nachts um einen halben Zentimeter verschoben, nicht genug für den Einsturz aber genug für Entfremdung.
00:04:05: Und genau in so eine Lage hinein erzählt das Johannes Evangelium von den Jüngern Osternes gewesen – das Grab ist leer!
00:04:14: Die große Wendung der Weltgeschichte ist im Grunde durch und passiert.
00:04:25: Tröstlich hoffnungslos finde ich.
00:04:27: Wirklich, weil es so unhältendhaft ist!
00:04:30: So unfrom in seiner Ehrlichkeit.
00:04:33: Die sitzen nicht da wie Sieger.
00:04:35: Die sitzen da wie Menschen die gerade überhaupt nicht wissen wie das Leben jetzt weitergehen soll Verängstigt und verwirrt wahrscheinlich völlig erschöpft Und ganz sicher nicht in dieser peinlich religiösen Hochglanz-Stimmung In der alle sofort wissen was Gott gerade vorhat.
00:04:55: hinter verschlossenen Türen.
00:04:58: Und sind verschlrossene Tüern nicht ein ziemlich gutes Bild für das, was Menschen heute innerlich tun?
00:05:04: Manche verriegeln die Tüeren aus Angst, Aus Enttäuschung und Erschöpfung.
00:05:09: Manche weil sie irgendwann gelernt haben offen seines gefährlich.
00:05:14: Das ist freiwillige Einzelhaft aus Selbstschutz.
00:05:17: Und dann kannst du dir die Zelle zehnmal dekorieren es isst ein Gefängnis.
00:05:23: Und manche schließen ab, weil sie sonst nur noch schreien würden.
00:05:27: Und ich finde es so-so schwer auf diesen Zug nicht aufzuspringen!
00:05:32: Mir ist es in dreiundvierzig Jahren noch nie so schwer gefallen Stur hoffnungsvoll zu bleiben.
00:05:38: Auch Institutionen können Türen verschließen Kirchen auch.
00:05:43: Dann bleibt die Sprache noch dieselbe.
00:05:46: Aber nichts darf wirklich hinein.
00:05:49: Keine Wut keine Ampivalenz Kritik oder Trauer Kein echter Mensch, nur bitte funktionieren.
00:05:57: Bitte loyal und konstruktiv und bitte!
00:06:00: Nicht so
00:06:00: kompliziert.".
00:06:02: Was glaubt ihr denn wie oft mir gesagt wurde ich sei zu laut?
00:06:06: Ob man wirklich zu allem immer seine Meinung sagen muss?
00:06:10: Und dann wundert man sich warum es innen so abgestanden riecht.
00:06:14: Aber Ostern beginnt ja gerade nicht mit offenen Türen – und ist wichtig….
00:06:19: Jesus wartet nicht draußen, bis die Jünger sich emotional sortiert haben und jetzt auch bitte wieder mitarbeiten können.
00:06:26: Er steht nicht vor der verriegelten Angst und sagt, ihr meldet euch einfach wie ihr geistlich wieder ein bisschen vorzeigbarer seid ja?
00:06:34: Okay ich lasse euch jetzt mal Raum dafür!
00:06:48: Hoffnung, Misstrauen und Müdigkeit.
00:06:51: Und sein erstes Wort ist nicht.
00:06:52: was ist denn jetzt schon wieder?
00:06:55: Er sagt Friede sei mit euch!
00:06:58: Und ich glaube wir hören diesen Satz oft zu schnell weil wir Frieden mit Nettigkeit verwechseln Oberfläche und Harmonie Mit dem kirchlichen Wunsch dass bitte niemand unangenehm werde.
00:07:10: Aber Shalom bedeutet so viel mehr.
00:07:13: Das is' nicht die Abwesenheit von Krieg Es es die AbWesenheit mangel Der Wunsch nach einem Leben, dem nichts fehlt.
00:07:22: Aber der Friedenkristi ist keine brave Tapete!
00:07:26: Er is die Macht Gottes in einem Raum, der von Angst regiert wird.
00:07:31: Jesus sagt nicht ihr braucht keine Angst zu haben weil es effektiv keinen Grund dazu gibt.
00:07:37: Es gibt den.
00:07:37: ja Diese Wunden sind real dieser Tod war real und er verrat auch Und deshalb zeigt er auferstandene seine Hände und seine Seite.
00:07:49: Das finde ich eigentlich am sympathischsten an dieser Geschichte.
00:07:53: Der kommt nicht geschniekelt zurück wie Gandalf in Weiß, nicht glatt und auch nicht als religiöses Vorher-Nachherwunder – die Auferstehung löscht die Wunden nicht aus aber sie nimmt ihnen das letzte Wort!
00:08:08: Und vielleicht ist es die Hoffnung, die wir gerade brauchen?
00:08:11: Es wird nicht mehr alles wie früher bin ich absolut sicher weder in der Kirche noch im Leben oder Welt.
00:08:19: Manches kommt nicht zurück und manches ist vorbei.
00:08:23: Und ehrlich gesagt war auch nicht alles so heil, wie wir es im Nachhinein gerne erzählen.
00:08:28: Kennt ihr das?
00:08:29: Oh die Achtziger.
00:08:30: da war die Weltenordnung, so schöne Musik... Da war Chernobyl!
00:08:36: Da war der Höhepunkt des Kalten Krieges, da war der Golfkrieg ...und da war Modern Talking.
00:08:42: Aber Auferstehung heißt Das Verwundete Ist Nicht Verloren.
00:08:50: Das, was gezeichnet ist von Narben und Wunden und Brüchen kann trotzdem Träger von Gegenwart sein.
00:08:57: Vielleicht sogar gerade deshalb!
00:08:59: Und dann kommt Thomas.
00:09:01: Ich mag Thomas wirklich sehr weil er nicht sofort in die blinde Euphorie einstimmt sondern benennt dass es ihm immer noch schlecht geht.
00:09:10: Wir haben den Herrn gesehen sagen die anderen und Thomas sagt ihn etwa schön für euch aber ich kann nicht von eurer Erfahrung leben.
00:09:19: Was wäre ein Satz?
00:09:20: Fantastisch, weil so viele Menschen heute ja nicht einfach unglaublich sind.
00:09:26: Die sind erschöpft von Behauptungen, müde von den großen Worten und allergisch gegen Antworten die keinerlei Berührung mit der Wirklichkeit haben.
00:09:36: Die wollen nicht gegen Gott sein!
00:09:38: Sie wollen nur nicht für dumm verkauft werden.
00:09:41: Thomas will nicht respektlos sein – aber echt!
00:09:45: Er will keinen Glauben aus zweiter Hand und keinen geliehenen Trost.
00:09:50: Er will wissen, ob dieser Auferstandene etwas mit den Wunden zu tun hat, die er selbst spürt.
00:09:57: Mit echten Wunden und berührbaren!
00:10:00: Und Jesus macht was er immer macht – er beschämt niemanden.
00:10:04: Er geht auf Thomas zu und er nimmt seine Sehnsucht nach Wirklichkeit ernst weil Zweifel manchmal nur verletztes Vertrauen sind auf der Suche nach einer Form in der es wieder atmen kann.
00:10:18: Und so landen wir wieder bei Kaschnitz, bei ihrem Buch Gott und die Welt.
00:10:23: Sie spielt Gott nicht gegen die Wirklichkeit aus.
00:10:26: Gott UND DIE WELT!
00:10:28: Gott uns die brüchige Kirche – Gott und der Körper, der nicht mehr alles kann.
00:10:33: Gott und Die Frage ob man irgendwann überhaupt noch zu Hause ist.
00:10:38: Und Glaube beginnt genau hier wo man die Welt nicht schön redet und sie trotzdem nicht aufgibt Wo du merkst ja Manches wurde sehenden Auges gegen die Wand gefahren.
00:10:50: Und ja, es gibt Räume, die tragen nicht mehr!
00:10:54: Aber Gott ist doch nicht erst da wenn alles wieder ordentlich is'.
00:10:58: Ich glaube er hat sogar eine Vorliebe für unaufgeräumte Räime... ...für die Zwischenzustände….
00:11:05: …für das danach dass es noch keinen Namen kennt.
00:11:08: Gott ist keine Überschrift unserer Nachrichten aber er ist die Kraft in einer beschädigten Welt nicht selbst zu versteinern.
00:11:17: Jesus ist auferstanden um in unsere verschlossenen Räume zu kommen, in die Bereiche, in denen wir nur noch funktionieren.
00:11:25: In die Ecken, in den wir innerlich längst gekündigt haben.
00:11:29: Ich weiß nicht wie es dir geht aber ich erlebe Menschen nicht zunehmend als Gottlos eher als Heimatlos mit einer Sehnsucht, die keinen Ort findet.
00:11:42: Es fehlt ein Raum, in dem dein Herz sich erschlagen kann.
00:11:46: Und deshalb ist diese Osterbotschaft vielleicht tiefer und schöner als wir oft denken.
00:11:51: Weil sie gerade nicht sagt, es ist alles wieder wie vorher.
00:11:54: Bitte lächeln Christus das Auferstanden!
00:11:58: Sie sagt der Auferstandene meidet die unheile Welt nicht.
00:12:03: Er geht hinein und er zeigt seine Wunden – und er öffnet mitten in der Fremdheit einen neuen Ort von Gegenwart.
00:12:11: Heimat is am Ende nicht der Ort, der nie brüchig
00:12:14: wird.".
00:12:15: Heimat ist der Ort, an dem Christus dich trotzdem findet.
00:12:19: Mit deiner Müdigkeit, mit deinem Zorn, deiner Bitterkeit – mit all dem was noch nicht erlöstes!
00:12:28: Wenn du heute etwas mitnimmst, dann nimm das hiermit.
00:12:32: Du musst nicht erst heile Räume bauen damit Gott einziehen kann und dass Christus schon längst dort ist wo die Türen noch zu sind in Gott und in der
00:12:44: Welt.".
00:12:46: Das Wunder von Ostern ist nicht, dass alles heil aussieht.
00:12:50: Es ist das Wunder, dass der Auferstand in eine komplett kaputte Welt immer noch für sehr bewohnbar hält!