Predigtbruch

Predigtbruch

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00:00:00: Es gibt gerade ein Wort, das ich ziemlich unheimlich finde.

00:00:03: Das klingt technisch – fast harmlos!

00:00:06: So'n bisschen wie aus einem langweiligen Fortbildungsseminar.

00:00:10: kennst du die?

00:00:11: Mit diesem viel zu dünnen Kaffee und diesen ekelhaften trockenen Waffelpressplätzchen.

00:00:17: Ich weiß gar nicht wer die entwickelt hat.

00:00:19: Und ich glaube diese Elbe Packung ist seit den Siebzigern offen und geht rum die Skilling, das Entlernen von Fertigkeiten.

00:00:34: Gemeintest es Menschen-Fähigkeiten verlieren weil Maschinen sie für Sie übernehmen?

00:00:39: Man muss sich nichts mehr merken!

00:00:41: Weil das Handy erinnert.

00:00:43: man muss kaum noch einen Weg kennen weil du hast ja Navi.

00:00:47: Man muss nicht mehr selbst formulieren weil KI schon ein brauchbaren Text ausspuckt.

00:00:52: Man muß nicht mehr lange überlegen weil irgendein System schneller eine Antwort liefert praktisch effizient Bequem.

00:01:01: Und ja, es ist auch oft beeindruckend was diese Dinger können.

00:01:05: Aber der Preis ist nicht klein Denn irgendwann verliert man nicht nur eine Fähigkeit Man verliert ein Verhältnis zur Wirklichkeit Man verlieret Übung Tiefe Geduld und Präsenz.

00:01:19: Wir verlieren uns durch etwas hindurch zu arbeiten Wir verlernen etwas wirklich anzuschauen Zu warten Ein Gedanken auszuhalten ohne dass sofort ein Bildschirm dazwischenfunkt und sagt, hier ich habe das schon mal für dich vorbereitet.

00:01:37: Es ist ja nicht so, dass KI böse wäre sowie auch in Taschenrechnern nicht böse ist oder Navi oder eine Suchmaschine aber jede Hilfe hat eine Schattenseite was für uns getan wird.

00:01:50: das tun wir irgendwann nicht mehr selbst Und vielleicht betrifft das längst nicht nur unsere technischen Fähigkeiten.

00:01:58: Ich glaube, dass betrifgt auch unserer Seelen und es gibt nicht nur das De-skilling des Denkens Es gibt auch das De skilling des Herzens Dass wir verlernen wirklich hinzusehen Wirklich zuzuhören Zu warten und zu hoffen Wirklich wach zu sein Denn wir sind ja ständig online!

00:02:19: Wir sind immer erreichbar Informiert, ständig verbunden mit allem und jedem und jeder Meldung.

00:02:26: Jeder Weltuntergang im Mini-Format das Handy auf dem Tisch die Uhr am Arm, die meinen Puls misst, meinen Sauerstoff und mir mitteilt wen ich dringend anrufen muss.

00:02:38: Die Nachrichten hast du im Kopf, die Mails im Nacken und der nächste Termin ist schon halb im Blick obwohl dieser Tag noch nicht halb zu Ende ist.

00:02:47: Wir leben in einer Zeit in der fast niemand mehr wirklich weg ist.

00:02:52: Kennst du das von Kollegen?

00:02:53: Wenn sie sagen, ich bin da zwei Wochen nicht da aber ich check natürlich meine Mails und wenn was is', ich bin auch erreichbar.

00:03:01: Und genau deshalb sind so viele innerlich nicht mehr ganz da ständig online und gleichzeitig merkwürdig abwesend.

00:03:11: Man sitzt mit Menschen an einem Tisch und merkt eigentlich sind noch sieben andere gefühlt unsichtbar mit dabei die, denen ich noch schreiben muss.

00:03:22: Die, die mir geschrieben haben – die Nachrichtenlage, mein Kalender und der Stress… das was ich gleich noch googlen wollte!

00:03:29: Das Leben findet statt aber wir sind oft nur halb eingelockt.

00:03:34: Es ist die Müdigkeit unserer Zeit Und es eine Müdighat, die Schlaf nicht auffängt.

00:03:41: Es fehlt die Gegenwart, dass in dem Moment sein Weil diese Zerstreuung der Seele so viel mehr ist als ein erschöpfter Körper.

00:03:51: Die äußert sich auch dort, keine Frage.

00:03:53: Ich beneide nicht die Dame, die bei der Massage meinen Betonrücken kneten muss.

00:03:59: Wir sehen so viel und bemerken so wenig!

00:04:03: Wir reagieren ständig auf alles – mit gefällt mir oder gefällt mich nicht.

00:04:08: Muss ich speichern?

00:04:09: Muss ich

00:04:10: weiterleiten?!

00:04:11: Wir wissen auch alles Mögliche… aber wir verpassen das Wesentliche... Und genau da hinein klingt dieser Satz aus der alten Welt von Johann Sebastian Bach.

00:04:22: Wachet auf, ruft uns die Stimme!

00:04:26: Fiel mir neulich ein und ich finde ihn großartig auch weil er einfach stört.

00:04:31: das finde immer gut.

00:04:33: wenn ich auf mein Handy gucke erzählt man mir immer nur ich müsse abnehmenspritzen kaufen keine Kohlenedrate essen ach und meinen Gesicht abends mindestens mit Frucht säure einreiben.

00:04:45: aber Wach doch mal auf!

00:04:48: Das stand er noch nie.

00:04:50: Und das stört meine Abläufe, meine Gedankengänge.

00:04:53: Es nennt ja einfach nur beim Namen was viele selbst wissen und empfinden Wir rennen von Krise zu Krise und dann lebst du im inneren Dämmerzustand Stand by Verbring dein Leben nicht wie in einem Wartezimmer In dem Nebenbei irgendwas läuft Während es eigentliche Leben an dir vorbeizieht.

00:05:14: Sei da wirklich da Ansprechbar und aufmerksam für das Umdich herum, weil die Alternative bedrohlich ist.

00:05:24: Für jeden von uns diese schleichende Unaufmerksamkeit, dass wir nicht schlimm werden sondern stumpf zerstreut verrot dieses freundliche Vorbeileben.

00:05:37: Man sagt eine Beziehung ist nicht vorbei solange man sich streitet oder ärgert.

00:05:42: sie ist vorbei wenn der andere dir einfach egal ist Und das gilt auch für dein Leben.

00:05:49: Das Sterben beginnt nicht erst irgendwo im Krankenhaus, es beginnt dann wenn dir alles einfach nur noch egal ist.

00:05:57: Ich glaube deswegen wirkt dieser Satz so stark – zumindest auf mich!

00:06:01: Wachet auf weil es kein religiöser Spezialauftrag für besonders formel Menschen ist.

00:06:08: Er ist ein Ruf an alle die Gefahr laufen ihr eigenes Leben zu verschlafen.

00:06:15: Um mal ganz ehrlich, wie viele Dinge tun wir heute im Halbschlaf?

00:06:20: Wir hören zu wenn andere reden.

00:06:22: Aber eigentlich wissen wir schon längst was wir antworten wollen und dann fallen wir ihnen ins Wort!

00:06:28: Wir hören Musik aber eigentlich nur als Hintergrundrauschen zu unserer Arbeit.

00:06:33: Das ist mehr Verwaltung als Leben.

00:06:37: Und dann kommt so ein altes Lied von Bach daher Als lauter Weggruf Wacht auf Da kommt einer und da gibt uns dieser Text sogar einen Grund.

00:06:49: Und wie wichtig ist der Bitte?

00:06:51: Wenn ich nicht glauben würde, ich persönlich, dass Jesus wiederkommt für uns dann würde ich doch morgen irgendwo auf Hawaii in ner Tortenbeckerei anfangen.

00:07:02: Das Lied sagt du sollst auffachen Mach die Augen auf!

00:07:07: Sei aufmerksam weil Jesus kommt Dass Gott nicht Theorie bleibt, die irgendwo in einem alten Buch steht.

00:07:16: Der Himmel bleibt nicht von Innen verschlossen wie ein heiliger Atombunker.

00:07:22: Dieses Leben ist nicht nur das was du organisieren ertragen aushalten und irgendwie strukturieren musst.

00:07:30: Es gibt Ankunft es gibt Begegnung.

00:07:34: Und wenn du denkst es interessiert sich sowieso niemand mehr für dich dass Du allen egal bist nein Das darf ich dir heute ausrechnen, nein.

00:07:45: Es gibt einen der dich sucht, der dich niemals aufgegeben hat auch als du es getan hast.

00:07:52: und wenn du jetzt denkst ja gut Bach!

00:07:55: Hunderte von Jahren her machen wir es doch einfach moderner.

00:07:59: Erinnerst du dich an Avicii mit seinem Lied Wake Me Up?

00:08:12: Da ist es auch, dieses Gefühl unterwegs zu sein.

00:08:17: Ohne genau zu wissen wohin?

00:08:19: Irgendwo im Autopiloten.

00:08:21: er sagt weg mich wenn das alles vorbei ist Wenn ich weiser bin und älter.

00:08:26: was du hast is Verantwortung Termine und Routinen Verpflichtungen.

00:08:32: Und du denkst trotzdem manchmal Wann genau hat eigentlich jemand beschlossen dass es das hier ist?

00:08:39: Ich erinnere mich daran dass sich als junger Erwachsener Diese Filme mit Sandra Bullock gesehen hab und diese tollen Komödien.

00:08:47: Und ich dachte immer so, ah ja, mit thirty-fünf da geht das echte Leben los!

00:08:51: Dann ist alles gesettelt und dich auch und... ...das Wundervolle beginnt.

00:08:56: Ich sag mal so, ich warte noch Aber frag Dich, wann bist Du vom Hoffen ins Verwalten gerutscht?

00:09:05: Wenn's mir so geht fahr' ich rechts ran Und ich bete still Und ich sage Gott weg mich auf Nicht nur morgens, damit ich ins Bad kann mich fertig machen für noch einen Tag voller Arbeit.

00:09:20: Weg mich aus diesem Nebel im Kopf!

00:09:23: Aus dem Zynismus, aus der Müdigkeit, aus diesem halb betäubten Zustand in dem ich zwar alles irgendwie hinkrieg Aber kaum noch wirklich was spür.

00:09:34: Christlicher Glaube ist kein Beruhigungsmittel gegen die Härten der Welt.

00:09:38: Er is eine Form von Wachheit.

00:09:41: Zumindest sollte er das sein.

00:09:43: Jesus sucht keine sedierten Jünger.

00:09:46: Er will keiner religiös gut eingerichteten Menschen, die nett von Gott reden aber innerlich längst nichts mehr erwarten.

00:09:54: Er sagt schau dich um!

00:09:56: Das Maß deines Handelns ist dein Nächster.

00:10:00: Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst und wenn Du jemanden lieben willst auf die richtige Art dann musst du ihn sehen Mit offenen und weiten Augen, mit einem offenen Geist der nicht nur scheinbar zuhört um endlich die längst gesetzte Antwort loswerden zu können.

00:10:20: Glaube heißt – mit der Möglichkeit rechnen das Gott heute hier nicht nur Thema ist sondern Gegenwart dess er in diesem Raum mit dir sein kann In dem Liedest du hörst, in nem freundlichen Blick von jemandem oder in der Berührung wenn jemand deine Schulter streicht und Stumm sagt Ich sehe dich.

00:10:42: Hier, Gott ist hier und darum ist Wachheit im biblischen Sinne was anderes.

00:10:50: Wachhalt is' was wärmeres, was klares!

00:10:54: Wach es wer noch berührbaris', wer doch nicht alles ironisch wegschiebt, der dennoch merkt wenn ein Mensch Trost braucht, wer Schönheit nicht nur registriert sondern wirklich

00:11:07: reinlässt.".

00:11:09: Und ich glaube, wach ist wer Gott noch etwas zutraut.

00:11:13: Und wenn du dich jetzt fragst wie?

00:11:16: In den kleinen Wunderfunken des Lebens!

00:11:20: Vielleicht beginnt es für dich damit das Handy am Tisch umzudrehen und einen Menschen wirklich anzusehen.

00:11:26: Hör doch mal in dich hinein.

00:11:29: was will denn diese Müdigkeit dir sagen die die nicht mehr weg geht egal wie lang du schläfst und was in mir schläft eigentlich?

00:11:38: Was habe ich verlernt, wofür bin ich denn nicht mehr wach?

00:11:42: Wir haben alle unsere Hilfsysteme und wir haben dadurch auch viel gewonnen.

00:11:47: Aber wir müssen aufpassen dass wir darüber nicht das Menschlichste verlieren.

00:11:52: Aufmerksamkeit Geduld und Aushalten des gute Dinge dauern.

00:11:58: Du kannst die inzwischen Texte schreiben lassen Bilder erzeugen Antworten generieren und Wege berechnen aber keine Maschine der Welt kann für dich hoffen.

00:12:11: Und deshalb bleibt dieser Ruf so unersetzlich!

00:12:14: Mach auf, weil Gott nicht will dass du abstumpfst hart und bitter wirst, das Du aufhörst zu träumen oder dem Regen zuzuhören, weil Du so müde bist, dass Du nur noch in der Decke auf der Couch legen willst.

00:12:30: Dieser Ruf kommt aus Liebe wie wenn Dich ein Kind weckt morgens ganz früh, weil die Sonne ist schon aufgegangen oder weil es endlich Weihnachten oder Geburtstag, so ruft ich die Stimme.

00:12:44: Wach auf!

00:12:45: Das Leben kommt dir entgegen.

00:12:49: Jesus kommt versprochen.

00:12:52: Lass dich wecken von der Musik und der Hoffnung – von dieser Stimme, die dich ruft.

00:12:59: Jetzt!

00:13:01: Gott taucht nicht erst am Ende auf sondern mitten in deinem zerstreuten, müden digitalen schönen überladenen Leben.

00:13:11: Also leg dein Handy weg und mach den Flugmodus in deinem Herzen endlich aus.